Keine Kölner Messe bringt so viele Menschen in die Stadt wie die Gamescom. Mindestens bis in die 2030er Jahre soll das so bleiben.
Vertrag verlängertVideospielmesse Gamescom bindet sich langfristig an Köln

Besucher der Gamescom testen ein neues Spiel.
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Die besucherstärkste Kölner Messe Gamescom bindet sich langfristig an den Standort Köln. Messe-Chef Gerald Böse und Felix Falk, Geschäftsführer des ausrichtenden Game-Verbandes, unterzeichneten am Mittwoch die Vertragsverlängerung und inszenierten die Fortsetzung ihrer Partnerschaft im 13. Stock des Deutzer Messehochhauses.
Die Gamescom ist mit zuletzt 335.000 Besucherinnen und Besuchern nicht nur die bestbesuchte Kölner Messe-Veranstaltung, sondern gleichsam die weltweit größte Messe für Video- und Computerspiele. Sie hat sich diesen Status nach ihrer Premiere im Jahr 2009 schnell erarbeitet – damals kamen 228.000 Besucher in die Deutzer Hallen. Die Zahl der Aussteller ist in diesem Zeitraum von 450 auf 1462 gestiegen, die Zahl der Fachbesucher hat sich von 17.000 auf 32.000 beinahe verdoppelt.
Gute Nachricht zur rechten Zeit
„Köln und die Gamescom sind das perfekte Match – eine Partnerschaft, die sich Jahr für Jahr als Erfolgsgeschichte bestätigt“, sagte der Kölner Messe-Chef Böse zur Vertragsverlängerung. Für Böse und die Messe kommt die gute Nachricht zur rechten Zeit. Zuletzt musste die Internationale Möbelmesse (IMM) aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen von Ausstellern abgesagt werden. Sie kehrt zwar in neuer Form 2026 zurück, die Erfolgsaussichten jedoch ungewiss. Da tut es gut, mit der Gamescom ein Flaggschiff auf Dauer sichern zu können.
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Wie lange der neue Vertrag läuft und wann der alte ausgelaufen wäre – zu diesen Fragen schwiegen Böse und Falk. Es ist jedoch nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ davon auszugehen, dass er eine Laufzeit von mindestens sechs Jahren hat, die Gamescom also noch mindestens bis Anfang der 2030er Jahre in Köln bleibt.
Selbstverständlich war das trotz des Erfolgs der Computerspielmesse nicht. Andere Messe-Standorte hatten zuletzt ein Auge auf die Gamescom geworfen und darum gebuhlt, sie abzuwerben – wie es Köln selbst gelungen war, hieß die Spielemesse doch von 2002 bis 2008 Games Convention und fand in Leipzig statt. Intensiv hatte Berlin für sich als neuen Standort geworben. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte bereits 2023 das Ziel formuliert, Leitmessen aus anderen Städten nach Berlin zu verlagern und die Hauptstadt zum Games-Standort Nummer eins zu machen.

Die Gamescom ist die meistbesuchte Veranstaltung für Computerspiele weltweit.
Copyright: IMAGO/Chris Emil Janßen
Gerald Böse sprach am Mittwoch nun davon, dass Köln sich gegenüber „einigen deutschen Standorten durchgesetzt“ habe. Die Gamescom sei eine „weltweite Messemarke, die große Begehrlichkeiten geweckt hat“, sagte der Messe-Chef.
Reker gratuliert selbstbewusst
Auch Kölns Oberbürgermeisterin und Messe-Aufsichtsratschefin Henriette Reker (parteilos) und NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) feierten den Verbleib der so wichtigen Messe. „Ich freue mich natürlich für Köln, aber ich gratuliere auch der Gamescom, dass sie sich auf längere Sicht für Köln entschieden hat“, bekundete Reker selbstbewusst. „Denn es gibt kaum eine Stadt, die so international ist wie Köln. Und dass die Menschen sich bei uns wohlfühlen, dass sie gerne zu uns kommen, dass sie gerne bei uns feiern, das ist auch kein Geheimnis.“
Während der Gamescom herrsche in der Stadt eine einzigartige Stimmung, die sich weit über das Messegelände hinaus verbreite. Besonders deutlich werde das durch das City Festival, sagte Reker. Die Stadt Köln fördert das für Besucher kostenlose Festival auf den Kölner Ringen mit 250.000 Euro.
Schon heute ist es kaum möglich, sich in Köln während der Gamescom-Tage im August der Messe und ihren häufig verkleideten Besuchern zu entziehen. Die Hotels, Zeltplätze und Jugendherbergen sind voll, Kneipen und Restaurants profitieren von den vielen Spieletouristen. Henriette Reker sagte, „die Gamescom ist explodiert in den letzten Jahren“, und kündigte an, dass die Messe in der Stadt künftig noch sichtbarer sein soll. So stelle sich auch die Frage, wie zum Beispiel der Dom als Projektionsfläche genutzt werden könne.
Nathanael Liminski versprach, sich auf Bundesebene für eine staatliche Förderung der Games-Branche einzusetzen. Außerdem steigen die Zuschüsse des Landes zur Gamescom: Statt 265.000 Euro gibt es künftig 435.000 Euro. Davon profitieren der Gamescom-Congress, die Entwickler-Konferenz Devcom, die kurz vor der Gamescom stattfindet, und der Gamescom Invest Circle, ein Netzwerktreffen von Spielestudios und Investoren. Zudem gebe es mehr Geld für weitere Sichtbarkeitsmaßnahmen, sagte Liminski.
Felix Falk, in seiner Funktion als Verbandsgeschäftsführer auch Chef-Lobbyist der deutschen Computerspielbranche, sagte, er sei sehr froh, dass sein Verband mit der Stadt Köln und dem Land NRW die Ambition teile, Deutschland, NRW und Köln zum weltbesten Standort zu machen – „und zwar unabhängig von einer Woche Gamescom im August“.