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„Völlig unpassender Humor“Polizei ermittelt wegen vermeintlichem Abi-Scherz an Kölner Gymnasium

Lesezeit 3 Minuten
Mit Aufklebern versehenes Schild.

An Schildern und auf Türen klebten am Apostelgymnasium hunderte Aufkleber mit dem verfremdeten AfD-Logo

Unbekannte haben am Apostelgymnasium Hunderte verfremdete AfD-Sticker angebracht. Der Verdacht fällt auf das Nachbargymnasium.

Für die Abiturientinnen und Abiturienten ist es der Höhepunkt ihrer Schulzeit: Wenn in der nächsten Woche die traditionelle Mottowoche stattfindet, zelebrieren die Kölner Schülerinnen und Schüler ihre letzten Schultage mit Kostümierung, kreativen Aktionen und ausgelassenen Feiern. Es ist aber auch die Zeit, in der die Rivalitäten zwischen verschiedenen Schulen aufbrechen. Vom harmlosen Flaggenklau unter den Schulen bis zu Gewalttätigkeiten im sogenannten „Abi-Krieg“ vor vielen Jahren reichte bislang das Spektrum.

Kölner Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

In diesen Tagen gibt es daher von Seiten der Polizei in jeder Kölner Schule wieder eine so genannte Gefährdungsansprache an die Abiturienten, in der die Konsequenzen von solchen Grenzüberschreitungen aufgezeigt werden. Diese Ansprache kommt in diesem Jahr allerdings zu spät: Denn die Polizei wurde bereits in dieser Woche ins Apostelgymnasium gerufen: Als die Schulgemeinschaft des Lindenthaler Gymnasiums am Montag zur Schule kam, war das gesamte Schulgelände großflächig mit schwer ablösbaren Aufklebern überzogen: Dabei wurde das Originallogo der AfD verfremdet und durch die Buchstaben APG – also die Abkürzung des Apostelgymnasiums – ersetzt.

Die schätzungsweise rund 1000 Aufkleber klebten an Fenstern, Türen, Schildern und auf Tischtennisplatten. Dabei wurden mit den Stickern teils auch zusätzliche Buchstaben geformt, um beleidigende Botschaften zu transportieren. Teils klebten die Aufkleber auch in der Nähe der Schule auf Bahnhaltestellen oder auf Bänken im Park.

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APG-Schulleiter Marco Lohmann erstattete umgehend Anzeige wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Beleidigung. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Sofort fiel der Verdacht auf die benachbarte Liebfrauenschule, zumal die beiden Schulen seit langem eine gerade im Rahmen von Mottowochen regelmäßig ausgelebte Rivalität verbindet und in der Liebfrauenschule schon Wochen zuvor genau solche Sticker kursierten. Daher verweise die Stickeraktion auf Schülerinnen und Schüler seiner Schule, räumt Schulleiter der Liebfrauenschule, Achim Strohmeier, auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein und möchte ausdrücklich offen mit dem Vorfall umgehen.

Der ganze Abiturjahrgang sieht sich diskreditiert

Er zeigte sich entsetzt, machte sich Anfang der Woche sofort ein Bild vor Ort am Apostelgymnasium und verschickte einen Brief an die Eltern der Schule, um darüber zu informieren. Als vor einigen Wochen die besagten Sticker in der Schule aufgetaucht waren, hatte er die Jahrgangsstufe eindringlich auf diese Grenzüberschreitung hingewiesen und diese „völlig unpassende“ Form von vermeintlichem Humor verurteilt. Dass danach dennoch dieser Vorfall passiert ist, macht ihn fassungslos.

Strohmeier ist überzeugt, dass es sich um einige wenige Schüler handelt, die diese mit der Jahrgangsstufe unabgestimmte Aktion durchgeführt haben. Die Jahrgangsstufe habe auf der Stufenversammlung glaubhaft völlig entsetzt auf diese Grenzüberschreitung reagiert. „Das Schlimme ist, dass das den ganzen Abiturjahrgang und die gesamte Schule diskreditiert.“ Und daneben jetzt auch für alle die Mottowoche beeinträchtigt, auf die sich alle so sehr gefreut hatten.

APG-Leiter appelliert an Schülerinnen und Schüler

Dass gerade in dieser politischen Lage, da die Demokratie massiv unter Druck steht, vermeintliche Scherze mit dem Logo der als in drei Bundesländern als rechtsextrem gesicherten Partei nicht von allen als unzulässige Grenzüberschreitung erkannt werden, das macht in der Schulgemeinschaft viele ratlos.

Zumal vor allem die Liebfrauenschule nicht nur Werteerziehung, sondern auch Demokratieerziehung mit viel Engagement und verschiedenen Formaten in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit rückt. Gerade in der vergangenen Woche hat sich das gesamte Kollegium erneut zu diesem Thema fortgebildet, weil es als wichtige Zukunftsaufgabe gesehen wird.

Die Aufkleber sind nun im Auftrag der Stadt durch eine Reinigungsfirma beseitigt worden, was mit hohem Aufwand und Kosten in vierstelliger Höhe verbunden war. APG-Schulleiter Lohmann hofft, dass sich die Verursacher doch noch ihrer Verantwortung stellen oder die Ermittlungen zu einem Erfolg führen. Er habe jedenfalls an seine Abiturientinnen und Abiturienten appelliert, Ruhe zu bewahren und sich nicht durch von Provokationen außerhalb der Schule mitreißen zu lassen. „Am Apostelgymnasium wünschen wir eine friedliche Gestaltung der letzten Schultage.“