Die Uniwiese wird ein letztes Mal als Ausweichfläche genutzt, die Stadt muss für den 11.11. nun Alternativen suchen. Das sagen Teilnehmer des Runden Tisches Karneval.
„Bewachtes Trinken hinter Zäunen“Kulturvertreter kritisieren Konzept für den Straßenkarneval und fordern Neuausrichtung
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Die Uniwiese soll ein letztes Mal als Ausweichfläche herhalten.
Copyright: Alexander Schwaiger
Maureen Wolf, Wirtin von „Oma Kleinmann“, blickt mit freudiger Erwartung auf Weiberfastnacht im Zülpicher Viertel: „Ich freue mich auf unsere Gäste und dass es losgeht“, sagt sie. Anders fällt da ihr Blick auf den 11.11. dieses Jahres aus. Denn dieser Straßenkarneval soll der letzte sein, an dem die Uniwiese als Ausweichfläche genutzt wird. „Wo sollen denn dann die zehntausenden Jecken hin?“
Über diese Frage hat sie sich schon die vergangenen Jahre gemeinsam mit anderen Vertretern aus Karneval und Gastronomie am Runden Tisch Karneval der Stadt Köln den Kopf zerbrochen. Das nach den Auswüchsen des 11.11.2017 von Oberbürgermeisterin Henriette Reker ins Leben gerufene Gremium sollte Möglichkeiten finden, um all die jungen Jecken aus dem Zülpicher Viertel zu locken und den Hotspot damit zu entlasten. Die Ergebnisse sind jedoch überschaubar: „Jeder Vorschlag wird abgeschmettert“, sagt Wolf.
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Jan Krauthäuser (Humba) und Maureen Wolf (Oma Kleinmann) über den Runden Tisch Karneval und Alternativideen zur Zülpicher Straße.
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Das empfindet der Veranstalter Jan Krauthäuser (Humba), der ebenfalls Teil des Runden Tischs Karnevals ist, ähnlich: „Es gab bisher immer irgendwelche Sicherheitsvorschriften, die letztlich alle Ideen killen.“ Nun aber nehme er eine Veränderung wahr: „Da gibt es jetzt einen gewissen Pragmatismus in der Verwaltung, weil man irgendwie vorankommen muss.“ Denn ohne Alternative kann die Uniwiese kaum wie angestrebt als Entlastungsfläche für den 11.11. gestrichen werden.
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Alternative Flächen für Karneval wurden alle abgelehnt
Ideen für solche Alternativveranstaltungen gab es über die Jahre zur Genüge. „Jetzt soll nochmal alles durchgecheckt werden“, sagt Krauthäuser. Eine derzeit favorisierte Option seien dabei mehrere autofreie Zonen, an denen etwa Bühnen aufgebaut werden oder die einfach als Flaniermeile genutzt werden könnten.
Mögliche Flächen dafür seien etwa der Ring, wo bereits eine Alternativveranstaltung ausgetestet wurde, die Nord-Süd-Fahrt, der Barbarossaplatz, Neumarkt oder die Universitätsstraße. „Es kommen immer wieder die gleichen Namen. Sind aber alle abgelehnt worden“, sagt Wolf. „Das heißt, sie werden sich jetzt eine dieser Flächen aussuchen müssen und die Parameter dann in Kauf nehmen.“
Die Stadt Köln teilt auf Anfrage mit, dass man sich in den vergangenen Wochen noch einmal verstärkt auf die Suche nach Alternativ-Arealen zur Uniwiese gemacht habe, um die Zülpicher Straße zu entlasten. „Es konnten nur einige wenige Flächen identifiziert werden, die eventuell in Betracht kommen“, sagt Stadtsprecher Robert Baumanns. Nach Karneval, so die Hoffnung, wolle man zu einem Ergebnis kommen. Welche Flächen in der Verwaltung zur Diskussion stehen, wurde nicht mitgeteilt.
Ein ständiger Streitpunkt ist auch die Finanzierung dieser möglichen Alternativveranstaltungen, gerade jetzt in der angespannten Haushaltslage. Krauthäuser sieht da eine aus seiner Sicht einfache Lösung: weniger Geld für Absperrungen und dafür mehr für Kultur. Er kritisiert: „Für Gefahrenabwehr kriegt man immer noch Geld, aber für die Jugend ist offensichtlich kein Etat möglich.“ Die Absperrungen seien zu Karneval mittlerweile so, „als würde der G20-Gipfel an der Uni stattfinden“. Sinngemäß bezeichnet er die jetzige Situation als „bewachtes Trinken hinter Zäunen“. Da müsse ein Umdenken stattfinden. „Diese Bewegung, das Umherziehen, das ist eigentlich das urtümlich Faszinierende am Karneval und das wird im Kwartier Latäng brutal kontrastiert. Aus meiner Sicht völlig übertrieben.“
Dem entgegnet die Stadt, dass der Straßenkarneval nicht primär als Gefahrenabwehr gesehen werde, sondern als „kultureller Höhepunkt im Kalender der Stadt Köln, den Hunderttausende aus Köln und aller Welt feiern“. Damit so viele Menschen sicher feiern können, spiele aber auch die Abwehr von Gefahren eine Rolle.
Stadt Köln: Geeignete Ausweichfläche identifizieren
„Der Stadt Köln ist es wichtig, dass die Menschen friedlich, fröhlich und respektvoll miteinander feiern. Dies möchten wir gerne vermitteln und arbeiten daran“, sagt Baumanns. Zunächst sei eine geeignete Fläche zu identifizieren. Erst im Anschluss könne die konkrete Suche nach einem Veranstalter gestartet werden. Dies hatten in der Vergangenheit bereits Vertreter des Runden Tisches gefordert, um den Feiernden statt einer umzäunten Fläche ein karnevalistisches Programm anzubieten. So seien Alkohol-Exzesse eher zu vermeiden, als wenn die Feiernden nur auf eine umzäunte Fläche geleitet werden, hieß es unter anderem.
Maureen Wolf sagt dazu: „Die Welt schaut auf Köln. Also lasst uns diese Chance doch nutzen. Und die Stadt positiv darstellen, die ja so viele Missstände hat und so viele hässliche Flecken. Gerade da könnten wir doch eigentlich glänzen und sagen, guckt euch das mal an, was wir hier veranstalten und was unsere Jugend macht.“