Der Persiflage-Wagen „Jesus liebt dich“ spaltet Leser, die ihn als diffamierend oder als notwendig zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals beurteilen.
Lesermeinungen zu Rosenmontag„Gemessen am Leid der Opfer ist der Persiflage-Wagen vergleichsweise harmlos“

Skizze zum Motivwagen „Jesus liebt dich“ für den Kölner Rosenmontagszug
Copyright: Alexander Schwaiger
Auf die Vorstellung eines Mottowagens für den Kölner Rosenmontagszug, der den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zum Thema macht, haben sowohl Vertreter des Erzbistums Köln als auch prominente CDU-Mitglieder mit heftiger Kritik reagiert. Andere Kirchenvertreter halten die Darstellung für gelungen, Interessenvertreter von Missbrauchsopfern sind gespalten. Kontroversen löst der Persiflage-Wagen auch bei Leserinnen und Lesern aus:
Mottowagen: Karneval muss provozieren
Die Wogen der Empörung ob des so treffenden Wagens zum Rosenmontagszug waren zu erwarten und werden doch hoffentlich ausgehalten von Zugleiter Mark Michelske! Karneval darf nicht nur, er muss provozieren. Wenn hier etwas verletzt wurde, so sind das die Seelen der missbrauchten Kinder! Wer sich da auf den Schlips getreten fühlt und den Wagen als geschmacklos tituliert, hat wohl immer noch nicht begriffen, wie widerwärtig und mehr als geschmacklos das wahre Leben der Opfer war und vermutlich auf immer gefühlt bleibt. Sabine Hubrig-Schaumburg Hennef
Mottowagen verletzt Gefühle von Gläubigen
Ich kann die Art der Darstellung nur missbilligen, weil sie das Gefühl von Gläubigen verletzt und der Realität nicht entspricht. Sicher gibt es den Missbrauch, es gibt aber auch die anderen Seiten der Kirche – ich denke etwa an Pfarrer Meurer –, die nicht in einem Zug genannt werden. Bei einem so kritischen Thema ist das aber unbedingt notwendig.
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Ich bitte, noch einmal darüber nachzudenken, ob diese von vielen Menschen als verletzend angesehene Darstellung dem Karneval entspricht und nicht besser ergänzt oder weggelassen werden sollte. Dr. Eckhart Treunert Köln
Persiflage-Wagen: Erinnerung an fehlende Entschädigung von Missbrauchsopfern
Die jahrzehntelange sexuelle Gewalt, ausgeübt von katholischen Priestern an Kindern und Jugendlichen, verbunden mit der immer noch fehlenden Aufarbeitung und angemessenen Entschädigung der Opfer, rechtfertigt, dass man im Karneval dem Klerus den Spiegel vorhält. Gemessen am Leid der Opfer und dem ignoranten Verhalten der kirchlichen Funktionsträger finde ich den Persiflage-Wagen noch vergleichsweise harmlos.
Die zigtausendfache sexuelle Gewalt wurde durch den „Jesus-liebt-dich-Schutzschild“ begünstigt, verschwiegen und toleriert. Das Erzbistum Köln, das von Weihbischof Steinhäuser, wie ich finde, in treffender Weise als Täterorganisation bezeichnet wurde, soll einfach seine Hausaufgaben machen, dann gibt es auch keinen öffentlichen Spott mehr. Paul Heinz Krauß Köln
„Jesus mit verbrecherischem Handeln in Zusammenhang zu bringen, ist nicht akzeptabel“
Ja, an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten ist der Missbrauch an Kindern in unserer Gesellschaft! Hier ist nichts zu relativieren. Wir müssen alles tun in Prävention und Intervention, damit diesem schrecklichen Leid von Kindern Einhalt geboten wird! Dass der Rosenmontagszug dieses Thema erneut aufgreift, mag man verstehen. Aber der Geschmacklosigkeit jeden Missbrauchs sollten wir nicht mit der Geschmacklosigkeit eines Mottowagens begegnen!
Dass die Aussage „Jesus liebt dich“ mit verbrecherischem Handeln in Zusammenhang gebracht wird, ist nicht akzeptabel. Solche Darstellungen unter der Gürtellinie helfen nicht den Betroffenen, sondern lähmen die Kraft derer, die sich für notwendige Korrekturen einsetzen! Gerd Bachner em. Dompropst Köln
Nicht der Mottowagen ist geschmacklos, sondern der Missbrauch
An Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten ist, dass passiert, was auf dem Mottowagen dargestellt wird. Warum ist der Hinweis auf die Opfer geschmacklos und nicht das, was passiert ist und sicher noch immer irgendwo passiert? Das Leben der Opfer wurde zerstört und die Täter kommen meist davon. Man kann es nicht oft genug anprangern, dass die verbrecherischen Täter gedeckt werden. Wo ist denn endlich die Vergeltung? Seit Jahrhunderten passiert nichts. Ursula Schinkel Bergisch Gladbach
Mottowagen: „Unanständig und geschmacklos“
Die Wogen wegen des Mottowagens „Jesus liebt Dich“ gehen zu Recht hoch. Die Darstellung ist äußerst unanständig und geschmacklos. Noch mehr stört mich allerdings der wieder hervortretende „Gratismut“. Auf die katholische Kirche einzuschlagen erfordert keine Courage und bringt dennoch vermutlich viel Zuspruch der „Guten“.
Einen Mottowagen, der Homophobie in weiten Teilen des Islam anprangert – das traut sich die Regenbogenflaggen schwenkende Truppe dann aber nicht, denn dann müsste der Zug ja vermutlich wegen Terrorgefahr abgesagt werden. Also nicht nur unanständig und geschmacklos, sondern auch noch erbärmlich. Aber lassen wir ihn halt fahren. Guido Theissen Bergisch Gladbach
Persiflage-Wagen: Schmerzhaft, aber notwendig
Keine Frage: Die Doppeldeutigkeit des „Jesus liebt Dich“ auf dem Persiflage-Wagen ist schmerzhaft. Den Wagen deshalb zu kritisieren, greift aber zu kurz. Erst die hartnäckige Verweigerung der Kirche, sich mutig und gewissenhaft ihrer Verantwortung zu stellen, ermöglicht diese Doppeldeutigkeit. Wer den Entwurf verurteilt, verwechselt vermutlich Ursache und Wirkung. Volker Heck Köln
Mottowagen: Beleidigung für Christen weltweit
Auch wenn ich eindeutig dafür bin, dass man das sexuelle Fehlverhalten von Priestern öffentlich und kritisch anprangert und im übrigen strafgerichtlich verfolgt, geht der Karnevalswagen eindeutig über den zulässigen Rahmen hinaus: Nicht Jesus oder die christliche Religion sind für den Missbrauch verantwortlich. Und deshalb wird hier der Falsche bezichtigt – „Jesus liebt dich“ – und fälschlicherweise die Religion selber sowie 2,5 Milliarden Christen weltweit beleidigt.
Deshalb kann ich als engagierter Karnevalist und Christ die deutliche Kritik sowohl von Frank Hüppelshäuser vom Erzbistum Köln und dem ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Köln, Fritz Schramma, wegen Grenzüberschreitung dieses Persiflage-Wagens des Festkommitee Kölner Karnevals verstehen.
Gerade bei diesem Thema hätte es eines sensibleren Umgangs und einer treffenderen Pointierung der Kritik bedurft. Karneval darf eben ethisch und menschlich nicht alles – jedenfalls nicht eine falsch dargestellte Kritik. Statt der beabsichtigten wohlgemeinten Kritik steht nunmehr die Beleidigung der christlichen Religion und ihrer Gläubigen im Mittelpunkt. Das ist weder richtig noch gut und erst recht nicht witzig! Und gehört deshalb nicht in den Rosenmontagszug. Wolfgang Häck Dormagen
Mottowagen: Mahnung für das Kölner Erzbistum
Nicht Jesus sitzt im Beichtstuhl, wohl aber mancher Mitarbeiter der Kirche, der sich für Jesu Stellvertreter auf Erden hält oder gehalten hat. Das ist und war das Problem des Missbrauchs im Namen Gottes und der Kirche. Und leider vermittelt die Kritik des Amtsleiters von Kardinal Woelki, dass man in der Leitung des Erzbistums immer noch die Verbrechen an Schutzbefohlenen und deren Vertuschung durch die Kirchenleitungen nicht wirklich ernst nimmt. Dr. Herbert Poensgen Köln

So sieht der fertig gestellte Mottowagen zum Missbrauchskandel aus.
Copyright: Alexander Schwaiger
Persiflage-Wagen: Geringfügige Änderung sinnvoll
Dass im Kölner Karnevalszug der Missbrauchskandal durch einen Wagen dargestellt wird, ist sicher in Ordnung. Die humorlose Darstellung finde ich jedoch unkarnevalistisch. Ich fände es schöner, wenn in der Darstellung der Messdiener antworten würde: „Aber Du bist nicht Jesus!“ Damit würde der Name Jesu in Ehren gehalten und unsere Kinder würden gestärkt gegen widerliche missbräuchliche Annäherungen. Klara Geilenkirchen Köln
Kirchen-Kritik an Mottowagen: „Man hat nichts verstanden“
Haben die Kritiker des Mottowagens „Jesus liebt dich“ in den letzten Jahren auf einem anderen Stern gelebt, die Ergebnisse der Studien zu kirchlichem Missbrauch nicht mitbekommen? Oder wollen sie diese einfach nicht zur Kenntnis nehmen, weil sie nicht in ihr amtskirchlich geprägtes Weltbild passen? Die Instrumentalisierung Jesu, die Selbstüberhöhung kirchlicher Amtsträger bzw. der Klerikalismus wird in den meisten dieser Studien als ein wichtiger Faktor klerikalen (Macht-)Missbrauchs- und Vertuschungshandelns genannt.
Selbst der Papst sieht im Klerikalismus eine „Geißel“, die das „treue, heilige Volk Gottes“ versklave. Die Botschaft des Mottowagens ist bittere Erfahrung für Tausende kirchliche Missbrauchsopfer und deren Angehörige. Diese auf eine Frage des Geschmacks zu reduzieren, kommt einer Verhöhnung (des Leids), einer weiteren Verletzung kirchlicher Missbrauchsopfer gleich. Das, was Dr. Christiane Florin kürzlich in Köln bei frank&frei in der Karl-Rahner-Akademie Bischöfen zur Aufarbeitung des Missbrauchs attestierte, scheint auch auf die Kritiker des Mottowagens zuzutreffen: „Man hat nichts verstanden“. Dr. Rainer Schwarzenthal Odenthal
Motivwagen: „Heischen nach wohlfeiler Zustimmung“
Karnevalisten gerieren sich gerne als mutige Kritiker gesellschaftlicher Missstände – zu Zeiten des Dritten Reiches allerdings wenig sichtbar. Die Kritik am Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Form des Motivwagens erfordert heutzutage keinerlei Mut, im Gegenteil wird der Wagen wohlfeile Zustimmung erzeugen. Attentate sind als Folge bei Schmähungen der christlichen Kirchen eher nicht zu befürchten.
Wohlgemerkt: Das schwindende Häuflein überzeugter Katholiken findet den Missbrauch abscheulich; die Täter gehören bestraft. Aber die Kirche ist nicht auf Missbrauch zu reduzieren. Wenn der Zugleiter vorgibt, „Jesus liebt dich“ sei ein „starker Eckpfeiler unseres eigenen Glaubens“, empfinde ich das als heuchlerischen Umgang mit der Geschmacklosigkeit des Motivwagens. Nebenbei bemerkt: In der Liste der prominenten Protestierenden vermisse ich den Namen von Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die schließlich Schülerin der Liebfrauenschule war. Erika Nakaten Düren
Zugleitung sollte zum Mottowagen stehen
Für mich ist es interessant, wer sich da für die Interessen der Kirche einspannen lässt. Die dargestellte Missetat zeigt eine Realität und kein Märchen. Dazu gehört auch das Verschweigen und Vertuschen der Taten. Die Opfer werden nur schleppend oder gar nicht entschädigt. Das sind Fakten, die nicht zu verschweigen sind. Kirchenvertreter halten sich mit der Kritik zurück, dafür opponieren einige Strohmänner als nützliche Idioten für die Interessen der Kirche. Der Mottowagen darf der inszenierten Empörung nicht zum Opfer fallen! Alfred Krüger Zülpich
Mottowagen: „Jesus hat niemanden missbraucht!“
Nein, Jesus hat niemanden missbraucht! Das ist eine glatte Lüge! Dieser Wagen geht gar nicht. Ein Grund für mich, den Rosenmontagszug zu meiden. Warum schreiben die Wagenbauer nicht: „Der Pfarrer“ oder meinetwegen auch „der Bischof liebt dich“, aber niemals Jesus! Der Missbrauch soll keinesfalls abgestritten oder verharmlost werden. Aber Jesus liebt dich – ihm kann man vertrauen. Brigitte Hoffmans Köln
Umgang der Kirche mit Tätern und Missbrauchsopfern kritikwürdig
Es verschlägt einem fast die Sprache, wie kirchenhörige Politiker hier Partei für eine Kirche nehmen, die sich selber ins Abseits gestellt hat. Das Verhalten der Kirche ist nicht nur in Bezug auf die Opferbehandlung im Rahmen der Missbrauchsaufarbeitung an „Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten“, sondern auch im Umgang mit den Schändern und den Gläubigen, die ihr im guten Glauben ihre Kinder anvertraut haben. Ein unsägliches Geschehen! Wolfgang Tries Köln
Mottowagen: Bei Gotteslästerung ist Schluss
Ich bin sehr enttäuscht über den neuen Karnevalswagen mit dem Thema „Jesus liebt dich“. Da wird die katholische Kirche unter Generalverdacht gestellt. Klar waren einige Kirchenleute übergriffig. Das ist heute nicht mehr so. Das Wagenmotto hat mit Karneval nichts zu tun, das ist Gotteslästerung. Da sollte es schon Grenzen geben. Dieter Kopf Köln
Mottowagen verstärkt Leid der Missbrauchsopfer
Zugleiter Marc Michelske wird wie folgt zitiert: „Wir sind in den letzten Tagen von vielen Seiten mit großer Betroffenheit auf diesen Motivwagen angesprochen worden“. Das ist gut so. Aber hat Herr Michelske sich wirklich einmal in die tatsächlich Betroffenen hineinversetzt? Wie sehr diese Menschen gelitten haben und sich nun in einer Persiflage wiederfinden? Aufarbeitung der verbrecherischen Taten – ja. Aber doch bitte nicht so!
Und darüber hinaus, hat er sich wirklich Gedanken gemacht, wie sehr dies den sich um Aufklärung Bemühenden schadet? Christliche Mitmenschen, die ehrlich versuchen, diese Verbrechen in Zukunft zu verhindern? Meine Bitte in dieser uns schon sehr belastenden Zeit an Herrn Michelske: Verhindern Sie, dass dieser Wagen im Rosenmontagszug mitfährt. Damit helfen Sie den Betroffenen mehr, als mit einer weiteren – gegebenenfalls auch überregionalen – Berichterstattung. Dr. Beate Haas-Raßfeld und Helmut Raßfeld Bergisch Gladbach
„Der Persiflage-Wagen bringt das Grauen auf den Punkt“
Männer werden in der katholischen Kirche Priester. Nach christlichem Glauben wurde Jesus als Heilsbringer und Erlöser und Zeichen von Gottes Liebe zur Erde gesandt. Diese Männer vergehen sich im Priesteramt jahrelang an Kindern und missbrauchen ihre kirchliche Stellung. Das (!) ist geschmacklos. Anscheinend verkennen das die Unterzeichner, die der Partei mit dem C angehören. Der Persiflage-Wagen bringt das Grauen simpel auf den Punkt und Herr Michelske tut gut daran, sich nicht beeinflussen zu lassen. Bettina Klumpe Köln
Mottowagen diffamiert Aufarbeitung des Missbrauchsskandals
Bekanntlich kann man sich über Geschmack streiten. Bei der Kunstbetrachtung gehen die Meinungen auseinander. So bleibt im Karneval nur die Bezeichnung Persiflage für den Wagenbau. In diesem Jahr gibt es einen Wagen, der dieses Kriterium der „geistreichen Darstellung“ nicht erfüllt. Denn er ist jenseits des moralischen Miteinanders und ausschließlich diffamierend unterwegs. Hier wird wohlfeil in herabsetzender Weise etwas in Szene gesetzt und der Lächerlichkeit preisgegeben, auch wissend, dass in Hilflosigkeit und auch Trauer keine Gegenwehr zu erwarten ist.
Dieser Wagen, der den Missbrauch der Kirche thematisieren soll – übrigens nur der katholischen Kirche –, ist eine Beleidigung der Menschen, die beste und wichtige Arbeit leisten und immer schon geleistet haben. Hier wird an einem völlig falschen Ort, zur falschen Zeit – die schmerzliche Aufarbeitung ist intensiv in vollem Gange – eine Szene gezeigt, dadurch auch irgendwo lächerlich gemacht, die viele Menschen verunglimpft, die wertvolle und unverzichtbare Arbeit in dieser Institution geleistet haben und leisten. Marliese Berthmann Köln
Mottowagen verletzt und macht wütend
Der Wagen „Jesus liebt dich“ ist viel mehr als eine karnevalistische Provokation. Die Aussage in Kombination mit der bildlichen Darstellung ist zutiefst diffamierend und lästerlich. Das ist kein rheinischer Frohsinn, sondern die Beschimpfung des christlichen Bekenntnisses aus Effekthascherei. Als Christ verletzt mich das und macht mich wütend. Gernot Papperitz Köln