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„Ein Hoffnungsträger“Online-Petition gegen Habecks Rückzug – Kachelmann mit Verständnis für Pause

Lesezeit 3 Minuten
Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz und Kanzlerkandidat, zeigte sich nach der Bundestagswahl zerknirscht.

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz und Kanzlerkandidat, zeigte sich nach der Bundestagswahl zerknirscht.

Nach der Bundestagswahl hat Robert Habeck seinen Rückzug von Spitzenämtern angekündigt. Dagegen gibt es nun eine Petition.

Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck will keine Führungsposition in seiner Partei mehr wahrnehmen. „Ich werde keine führende Rolle in den Personaltableaus der Grünen mehr anstreben“, hatte der Politiker in einer Pressekonferenz am Montag nach der Bundestagswahl gesagt. Die Grünen waren nur auf 11,6 Prozent der Wählerstimmen gekommen, bei der Bundestagswahl 2021 waren es noch 14,7 Prozent.

Jetzt richtet sich eine Petition gegen Habecks Rückzug, 266.000 Menschen haben sie bereits unterzeichnet. Der „Offene Brief an Robert Habeck“ stammt von Konstantin Kugler und ist auf der Petitionsplattform von Campact zu finden. „Du bist für viele ein Hoffnungsträger“, heißt es dort. „Und Hoffnungsträger dürfen nicht gehen, wenn sie am meisten gebraucht werden, sondern müssen Führung und Verantwortung übernehmen.“

Online-Petition fordert: „Du darfst dich nicht entmutigen lassen“

Offenbar wünschen sich die Unterzeichnenden mehr Präsenz von Habeck: Er habe zehntausende Menschen mobilisiert und dürfe sich jetzt nicht entmutigen lassen, schreibt Kugler. Und weiter: „Wir verstehen, dass die letzten Wochen auch von dir viel gefordert haben. Trotzdem wenden wir uns an dich, da wir überzeugt sind, dass Deutschland, Europa und die Welt dich brauchen.“ Gleichzeitig gibt es in den sozialen Medien neuen Hashtags wie #Habeckmussbleiben.

Gestartet wurde die Petition zwei Tage nach der Bundestagswahl, da war die Nachricht von Habecks Rückzug einen Tag alt. Mit dem Wahlkampf seiner Partei hatte sich der Noch-Wirtschaftsminister zufrieden gezeigt, doch er habe mehr gewollt. Zudem war er mit dem Vorsatz angetreten, Kanzler zu werden. Ob er sein Bundestagsmandat antritt, ist offen. In der Petition wird gefordert, Habeck dürfe sich jetzt nicht entmutigen lassen: „Gerade in der aktuellen Zeit ist Rückzug und Nachgeben keine Option.“

Online-Petition für Habeck

Mit warmen Worten soll Robert Habeck umgestimmt werden. „Doch gerade in einer solchen Zeit braucht es Menschen – und noch wichtiger Führungspersönlichkeiten – wie dich. Du hörst zu, wägst ab, fühlst mit, suchst die Verantwortung und willst die Zukunft mit und für die Menschen gestalten.“ Habeck widersetze sich „dem oftmals rückwärtsgewandten, zynischen und entmenschlichten Diskurs“ und stehe ein für „Verstand, Zusammenhalt und Zuversicht“.

Jörg Kachelmann unterstützt Robert Habeck in der Entscheidung

Der Wirtschaftsminister und Vize-Bundeskanzler hat sich bislang noch nicht dazu geäußert. Unterstützung bekommt er aber von prominenter Stelle: Meteorologe und Moderator Jörg Kachelmann schreibt auf X, dass er sich mehr Respekt vor der Entscheidung des Grünen-Politikers wünsche. Er könne „die Last und den Druck nur erahnen, die er in den letzten Jahren erlebt hat in seiner Arbeit, dazu der Kindergarten in der Ampel und die persönlichen Anfeindungen durch RechtsextremistInnen aller Art“.

Er sei sich sicher, dass Habeck zurückkommen werde, wenn der Wahlkampf und mit ihm die Niederlage verarbeitet sei. „Nicht zu respektieren, wenn Menschen nicht funktionieren können wie Maschinen, ist egoistisch und furchtbar“, schreibt Kachelmann. Er erinnerte auch daran, dass die Gesellschaft nun in der Verantwortung sei – vorübergehend ohne Robert Habeck.

Wie es bei den Grünen weitergeht, ist noch unklar. Die bisherige Außenministerin Annalena Baerbock verfügt aktuell so wie Robert Habeck über keine Parteiämter. Auch sie wurde aber erneut in den Bundestag gewählt und käme damit für Spitzenämter der Fraktion in Frage. Die beiden Parteichefs Franziska Brantner und Felix Banaszak wollen weitermachen. (mit dpa)