Für die Nachbarn kam das Unglück wohl nicht ganz ohne Ansage. Die Mieter des Brandhauses in Opladen suchen nach einer Lösung.
Unhaltbare ZuständeDas tödliche Feuer in Opladen hatte eine Vorgeschichte

Sie brauchen neue Wohnungen: Bewohner des Hauses Düsseldorfer Straße Nummer. 5: Sada Aburabi, Michael und Aspasia Penlidis (von links).
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Gegen den beim Dachstuhlbrand an der Düsseldorfer Straße verstorbenen Mieter lief eine Räumungsklage des Hausinhabers und Vermieters. Die Information stammt vom Eigentümer selbst, dem Bäckermeister Jörg Nöres, den wir am Dienstag in seiner Backstube antrafen, die gleich nebenan liegt. Die Miete habe das Jobcenter bezahlt und der Strom sei abgestellt gewesen, sagt Nöres.
Bewohner des Hauses sagen bei einem Treffen mit dem „Leverkusener Anzeiger“, sie hätten den Vermieter wiederholt aufgefordert, etwas gegen die unhaltbaren Zustände wegen des Mieters unterm Dach zu unternehmen. Für die Nachbarn kam das Unglück also wohl nicht ganz ohne Ansage. Räumungen durch Vermieter sind aus gutem Grund nicht einfach durchzusetzen.

Zurzeit ist an ein Betreten nicht zu denken: Die Fenster der Wohnung von Michael und Aspasia Penlidis im Haus Düsseldorfer Straße Nr. 5 in Opladen sind geschlossen. In der Wohnung nebenan hatte es gebrannt.
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Die Bewohner dürfen das Haus noch immer nicht betreten, um wenigstens das Nötigste an persönlichen Dingen herauszuholen. Sie stehen im Prinzip immer noch ohne Geld und ohne frische Kleidung quasi auf der Straße – oder sie wohnen im Flüchtlingsheim, wie Sada Aburabi, die in Küppersteg untergekommen ist. Aspasia und ihr Sohn Michael Penlidis haben Tür an Tür neben der Brandwohnung gewohnt.
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Der Sohn sagt, wenn er am Tag des Brandes nicht zufällig Spätschicht gehabt hätte, wären sie womöglich tot. Er sei gerade von der Spätschicht nach Hause gekommen, aß seine Nachtsuppe, als er nebenan eine Explosion gehört habe. Ziemlich schnell muss die Wohnung des Nachbarn lichterloh in Flammen gestanden haben.

Der Dachstuhl brannte am Mittwoch, 26. März 2025 kurz vor Mitternacht.
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Die Mutter habe sich noch schnell etwas anziehen können, das war’s, alle Papiere und Karten lägen jetzt in der Wohnung. Die Mutter sei bei einer Freundin untergekommen, der Sohn Michael habe sich Geld geliehen und in einer Pension eingemietet, jetzt werde es aber langsam knapp.
Die Vermittlung neuer Wohnungen in Leverkusen läuft an
Immerhin: Die Hilfe und die Vermittlungen von Ersatzwohnungen scheint anzulaufen, während des Treffens bekommt Michael Aspasia einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung noch am selben Tag von einer der großen Gesellschaften. 35 Jahre haben die Aspasias in der Wohnung Düsseldorfer Straße 5 gewohnt.
Auch bei Frau Aburabi und ihrem Mann geht es weiter, sie haben über die Tochter ein Angebot erhalten. Sada Aburabi fühlt sich im Flüchtlingscontainer nicht besonders wohl, sie kam 1992 selbst als Flüchtling aus dem Kosovo und lebte damals in einem solchen Container. Die Stadtverwaltung schreibt auf Anfrage, man kläre Bedarfslagen hinsichtlich Unterbringung, Essen und Kleidung. Eine Mitarbeiterin sei als Ansprechpartnerin für die vom Brand betroffenen Anwohnenden abgestellt.
Der Kontakt zu Wohnungsgesellschaften sei hergestellt und Notunterbringungen für zwei Mietparteien angeboten worden. Keine Neuigkeiten gebe es derzeit bei der Frage nach der Statik des vom Brand betroffenen Hauses und wann es betreten werden dürfe, es soll aber nicht akut einsturzgefährdet sein. Dennoch errichten Gerüstbauer am Dienstag ein Gerüst vor dem Haus. Regen ist zwar auch für die kommenden Wochen nicht angesagt, aber man muss sich um den offenen Dachstuhl kümmern.
Wie es mit dem Haus weitergeht? „Ich weiß noch gar nichts“, sagt Bäckermeister Jörg Nöres, dem man den Kummer der vergangenen Tage ansehen kann. Die Decken und das Treppenhaus seien aus Holz, sagte er, darin dürfte sich jetzt das Löschwasser aus der Brandnacht halten.
Die Nachbarn aus dem Brandhaus hatten keine hohe Miete, aber die fast täglichen Probleme, die sie mit ihrem 66-jährigen Mitbewohner hatten, lassen sie noch heute wütend werden, obwohl er jetzt tot ist. Mit Urin und Exkrementen im Treppenhaus hätten sie zu tun gehabt, nächtlicher Lärm sei normal gewesen, ständig habe er unbekannte Leute bei sich in der 70 Quadratmeter großen Wohnung beherbergt. Das seien Bekannte, soll er den Nachbarn gesagt haben, was gelogen gewesen zu sein scheint. Manchmal hätten sechs Personen dort gelebt, offenbar ohne Anmeldung, ohne Namen an der Tür. Das sei doch illegal gewesen, sagt Sada Aburabi. Den zweiten Toten habe sie mal kurz kennengelernt, das sei einer von zwei Polen oder Russen gewesen, die ausgesehen hätten, als hätten sie irgendwo auf dem Bau gearbeitet. Der sei nett gewesen, sagt Sada Aburabi, um ihn habe sie weinen müssen.