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So viele Genehmigungen wie nirgendwo sonstNRW liegt beim Windrad-Ausbau bundesweit an der Spitze

Lesezeit 3 Minuten
Bergheim: Windräder stehen auf einer Anhöhe.

Windräder stehen auf einer Anhöhe bei Bergheim. NRW liegt bei den Genehmigungen neuer Anlagen und beim Bau bundesweit vorn.

Nordrhein-Westfalen ist in diesem Jahr Windkraft-Spitzenreiter, zeigt eine Auswertung des Umweltlandesamtes. Dem Landesverband Erneuerbare Energien geht der Ausbau nicht schnell genug.

Beim Ausbau der Windenergie dürfte Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren die Führungsrolle übernehmen. Nirgendwo sonst wurden in den ersten sechs Monaten 2024 so viele Anlagen genehmigt wie in NRW, hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ausgewertet. Damit dürfen nun 228 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1336 Megawatt gebaut werden.

Damit liegt NRW mit deutlichem Vorsprung bundesweit an der Spitze. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen die nördlichen Bundesländer Niedersachsen (684 MW), Schleswig-Holstein (649 MW), Brandenburg (499 MW) und Mecklenburg-Vorpommern (404 MW). Auch bei den jüngsten Ausschreibungen der Bundesnetzagentur im Februar und Mai war der Trend eindeutig: Die meisten Genehmigungen für Windräder gingen nach NRW.

Auch der Bau neuer Windräder nimmt Fahrt auf

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums werden auch immer mehr neue Windräder gebaut. Im ersten Halbjahr gingen 61 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 275 MW ans Netz. An einem windreichen Standort, also etwa auf einem Hügel, könnten sie 244.000 Haushalte versorgen. Insgesamt stehen in Nordrhein-Westfalen knapp 3800 Windräder mit einer Leistung von 7417 MW.

„Wir sind mit einem ambitionierten und akzeptanzfördernden Ausbau der Windenergie auf dem richtigen Weg“, sagt Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). „Wir gehen davon aus, dass der Zubau auch in den kommenden Monaten weiter anzieht, aber wir ruhen uns auf diesen Zwischenerfolgen nicht aus.“ Der schnelle Ausbau erneuerbarer Energiequellen sei ohne die Akzeptanz der Menschen nicht zu schaffen. Wenn es gelinge, das Tempo bei den Genehmigungen und dem Ausbau zu halten, könne die Landesregierung ihr selbstgestecktes Ziel von 1000 neuen Windrädern bis zur nächsten Landtagswahl im Mai 2027 durchaus erreichen.

Erneuerbare-Energie-Projekte haben Vorrang

Mit einem Runderlass zur Anwendung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes will die Landesregierung erreichen, dass Investoren und Projektträger sicher planen können. Danach wird der Ausbau der erneuerbaren Energien als im „überragendem öffentlichen Interesse und der öffentlichen Sicherheit dienend“ normiert. Das bedeutet: Vorfahrt für den Ausbau. Der Erlass stellt klar, dass Behörden Projekte vorrangig behandeln müssen, sollte es zu Interessenkonflikten mit anderen schützenswerten Gütern kommen. Dabei geht es nicht nur um die Windenergie, sondern auch um Solaranlagen, um Biomasse und Geothermie.

Wir schaffen Planungssicherheit für Investoren und Projektträger
Mona Neubaur, NRW-Wirtschaftsministerin

„Wir setzen damit ein klares Zeichen für den Ausbau erneuerbarer Energien und schaffen Planungssicherheit für Investoren und Projektträger. Gleichzeitig minimieren wir Konflikte zwischen verschiedenen Interessen, wie Natur- oder Denkmalschutz, und schaffen einen fairen Interessenausgleich“, sagt Neubaur.

Aus Sicht des Landesverbands Erneuerbarer Energien (LEE) kann die Landesregierung ihr Ziel von 1000 neuen Windrädern bis 2027 nur erreichen, wenn schneller neue Windräder hinzukommen. Bisher dauert es laut dem LEE-Vorsitzenden Hans-Josef Vogel im Schnitt zwei Jahre, bis eine genehmigte Anlage in Betrieb gehen kann. „1000 neue Anlagen sind nur mit einer schnelleren Ausweisung weiterer Flächen, einer gezielteren Beratung der Kommunen sowie einer Beschleunigung, Entbürokratisierung und Digitalisierung bei den Genehmigungsverfahren zu schaffen“, so Verbandschef Vogel.

Noch Nachholbedarf bei Wasserkraft, Bioenergie und Tiefengeothermie

Ein „dicker Wermutstropfen“ nach zwei Jahren schwarz-grüner Regierungsverantwortung sei der immense Nachholbedarf beim Ausbau von Bioenergie, Wasserkraft und Tiefengeothermie. Bei der Tiefengeothermie habe die Landesregierung im April zumindest einen Masterplan vorgelegt, wie Erdwärme künftig genutzt werden könnte. Bis erste Projekte umgesetzt sind, dürfte es aber noch Jahre dauern, so Vogel. „All diese Erzeugungsformen ergänzen Wind- und Solarenergie hervorragend und dürfen nicht hinten runterfallen. Dass es bei Bioenergie und Wasserkraft bislang keinerlei Impulse gegeben hat, ist schon eine Enttäuschung.“

So lasse beispielsweise das im Koalitionsvertrag angekündigte Vorhaben, möglichst an „allen bestehenden Talsperren die Kraft des Wassers für die Energieversorgung nutzbar zu machen“, weiter auf sich warten. Bei der Bioenergie sollte es nach schwarz-grüner Vereinbarung zu einem „vermehrten Einsatz von Reststoffen, Bioabfällen und Gülle“ kommen. Da habe sich noch gar nichts bewegt.