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Wegen Derby-ChoreografieReul schickt Keller Wutbrief – DFB ermittelt gegen FC

Lesezeit 4 Minuten
ARCHIV - 24.09.2024, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Herbert Reul (CDU), nordrhein-westfälischer Innenminister, gibt ein Statement. Der Minister erwartet eine Welle an Falschmeldungen vor der Bundestagswahl. (zu dpa: «Reul rechnet mit Welle an Falschmeldungen vor Bundestagswahl») Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Innenminister Herbert Reul lässt den Choreografie-Vorfall nicht auf sich beruhen. DFB-Kontrollausschuss ermittelt nun gegen den 1. FC Köln.

Die Diskussion um die Messer-Choreografie der Kölner Fans im Rhein-Derby am vergangenen Sonntag hat noch kein Ende. Nach der umstrittenen Darbietung beim Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf (1:1) hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) FC-Geschäftsführer Christian Keller einen erbosten Brief geschrieben.

Er sei „entrüstet“ darüber, dass die Kölner Verantwortlichen „die entsprechende Darstellung im Vorfeld sogar genehmigt haben“, heißt es in dem Schreiben. Der als Law-and-Order-Politiker bekannte Reul, bekennender Fan von Doublesieger Bayer 04 Leverkusen, lässt den Vorfall also nicht auf sich beruhen. Allerdings: Der Langenfelder ist auch nicht irgendwer, sondern der Innenminister eines Bundeslands mit 18 Millionen Einwohnern.

1. FC Köln: DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungsverfahren eingeleitet

Auch den Deutschen Fußball-Bund beschäftigt der Vorfall: Der Verband teilte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit, dass der DFB-Kontrollausschuss ein Ermittlungsverfahren gegen den 1. FC Köln eingeleitet und den Verein „im ersten Schritt“ zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. Konkret richtet sich Reul an Kölns Sport-Geschäftsführer Keller: „Um es klar zu sagen: Sie als Verantwortliche eines Profi-Fußballvereins haben auch die Aufgabe, im Stadion für Sicherheit zu sorgen und sich im Rahmen der Fanarbeit für Deeskalation einzusetzen. Mir ist schleierhaft, wie sich dieser Auftrag mit der in diesem Fall getroffenen Entscheidung vereinbaren ließe.“

Merkwürdig: Der 1. FC Köln teilte auf Anfrage mit, dass dem Klub bis Mittwochnachmittag allerdings weder auf postalischem noch elektronischem Weg ein Schreiben des Ministers erreicht hat. Allem Anschein nach landete der Brief – oder sogar nur ein Entwurf – zuerst bei der Deutschen Presse-Agentur, die auch nur Teile veröffentlichte. Zuvor war kolportiert worden, dass Reul das Schreiben auch in Kopie an den DFB und die DFL geschickt habe. Dies war aber offenbar doch nicht der Fall. Sofern dem Bundesliga-Absteiger ein Schreiben vorliege, werde der Klub auch auf dieses antworten und mit dem Innenminister in weiteren Austausch treten, hieß es vom FC. Auch ein anschließendes Treffen schließen die Kölner nicht aus. Ein Gespräch gab es bereits: FC-Präsident Werner Wolf und Reul telefonierten am Dienstag miteinander.

FC-Präsident Werner Wolf hat mit Minister Herbert Reul telefoniert

Allerdings hieß es bisher, der FC-Vorstand habe von der Choreografie im Vorfeld nichts gewusst. Bei der Organisation und Durchführung eines Heimspiels handele es sich um das operative Geschäft der in eine Kapitalgesellschaft ausgelagerten Profiabteilung, daher spreche nur die Geschäftsführung. Keller und Philipp Türoff hatten die Choreografie genehmigt.

Vor dem Derby wurde am Sonntag im Kölner Stadion auf einem riesigen Banner der FC-Fans gezeigt, wie ein Mann mit dem FC-Logo auf seiner Krawatte der Glücksgöttin Fortuna ein großes Messer an den Hals hält. Dazu waren die Worte zu lesen: „Glück ist kein Geschenk der Götter“ – über Lautsprecher wurde ein hämisches Lachen eingespielt.

1. FC Köln vs. Fortuna Düsseldorf, 23. Spieltag, 23.02.2025, 13.30 Uhr, umstrittene Choreo der Ultras auf der Südtribüne (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Die umstrittene Choreografie auf der Kölner Südtribüne vor dem Derby gegen Düsseldorf

Nach dpa-Informationen hat das Plakat keine strafrechtliche Relevanz. Das hatte die Polizei sofort überprüft. Reul betont in seinem Brief jedoch: „Dennoch: In der heutigen Zeit, in der wir es mit einem steigenden Aggressionspotenzial zu tun haben und immer häufiger das Messer eingesetzt wird, ist ein Motiv, das Messergewalt als Teil der Fanrivalität darstellt, schon für sich genommen absolut deplatziert“, so Reul, der bereits zuvor gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ massive Kritik an der FC-Führung geäußert hatte: „Wir bekämpfen jeden Tag Messergewalt auf der Straße, und im Stadion wird mit einem solchen Bild provoziert. Ich erwarte da von den Verantwortlichen des Vereins, dass sie auch einschreiten. Stattdessen wird die Sache auch noch heruntergespielt. Das ist der nächste Skandal.“

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker war 2015 selbst Opfer einer Messer-Attacke geworden und hatte die Choreografie ebenfalls kritisiert. Keller hatte gesagt: „Man kann über das Motiv kräftig streiten. Für mich ist das einfach die Rivalität zwischen zwei aktiven Fanszenen.“ Der Verein habe vorab bei der Prüfung trotz des Messers „keinen Aufruf zur Gewalt gesehen“.

Fortuna-Sportvorstand Klaus Allofs sieht diese Argumentation kritisch: „Rivalität kann gerne mit einem gewissen Augenzwinkern ausgetragen werden. Aber diese Choreografie – das Messer an der Kehle – war auch im Kontext der jüngsten Ereignisse in unserem Land nicht nur geschmacklos, sondern auch völlig unangebracht.“