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Harter KonfliktWarnstreiks bei Ford in Köln gestartet – Unternehmen zeigt Verständnis

Lesezeit 3 Minuten
ARCHIV - 27.11.2024, Nordrhein-Westfalen, Köln: Neuwagen stehen vor dem Ford Verkauf einem Parkplatz. Zum geplanten Stellenabbau des Autobauers Ford in Köln werden in einer Betriebsversammlung am Vormittag Details bekanntgegeben. Mehrere Tausend Beschäftigte werden erwartet, die um ihre Jobs bangen. (zu dpa: «Warnstreiks bei Ford - IG Metall fordert Insolvenzschutz») Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Neuwagen auf dem Ford-Gelände in Köln-Niehl. 

Die ersten Verhandlungen zur Zukunft des Standorts Köln verliefen ohne Ergebnis, die Fronten sind verhärtet.

In den Kölner Ford-Werken wird ab diesem Dienstag temporär die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft IG Metall hat alle Beschäftigten in Niehl, Merkenich und im Ersatzteilzentrum zu Warnstreiks in den Nacht-, Früh- und Spätschichten an verschiedenen Tagen zu unterschiedlichen Zeiten für unterschiedliche Schichten ab dem 1. April aufgerufen. 

Hintergrund ist ein harter Konflikt zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern über die Zukunft des traditionsreichen Standortes. Erste Verhandlungstreffen blieben erwartungsgemäß bislang ohne Ergebnis.

Bürgschaften aufgekündigt

Zum Hintergrund: Vor rund drei Wochen hatte die US-Konzernmutter ihre Bürgschaften für die deutsche Tochter aufgekündigt. Im Rahmen dieser sogenannten Patronatserklärung hatte der US-Konzern bislang auch alle Verluste übernommen, die in den vergangenen Jahren angefallen waren. Ohne diesen Schutzschirm ist Ford Deutschland deutlich stärker als bislang wirtschaftlich auf sich selbst gestellt. Allerdings fließt in den nächsten vier Jahren auch weiterhin Geld aus den USA – aber eben nicht mehr so bedingungslos wie bisher.

Die Gewerkschaft und der Betriebsrat hatten die Geschäftsführung zu Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag für den Standort Köln aufgefordert – und zwar für die komplette Belegschaft von rund 11.500 Beschäftigten.

Ein erstes Auftakttreffen hatte in der vergangenen Woche stattgefunden, diese Woche wird weiter verhandelt. Laut IG Metall hat das Ford-Management die Forderungen mit Nachdruck zurückgewiesen. „Das hat uns nicht wirklich überrascht“, kommentiert Kerstin D. Klein, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Köln-Leverkusen, „wir konnten jedoch weitere Verhandlungstermine vereinbaren, in denen wir versuchen wollen, gute Lösungen für die drängenden betrieblichen Probleme zu finden. Dabei wollen wir den Druck auf die Arbeitgeberseite hochhalten und werden diese Verhandlungen mit Warnstreiks begleiten.“

Auch der Betriebsrat zeigt sich kämpferisch: „Während das Unternehmen bemüht ist, verloren gegangenes Vertrauen durch eigene Informationsveranstaltungen zurückzugewinnen, sehen viele Kolleginnen und Kollegen die derzeitige Situation als bedrohlich an“, sagt Benjamin Gruschka, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der Ford-Werke GmbH. Eine mögliche Insolvenz werde von der Geschäftsführung als nur geringfügiges Risiko dargestellt, jedoch falle es vielen angesichts fehlender Details über einen zukunftsfähigen Geschäftsplan schwer, daran zu glauben, so Gruschka.

Unternehmen verspricht faire Lösung

David Lüdtke, Vertrauenskörperleiter bei den Ford-Werken Niehl/Merkenich, fügt hinzu: „Wir fordern nach wie vor ein nachhaltiges Zukunftskonzept für die Kölner Standorte und den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze, aber wir brauchen auch ein Insolvenz-geschütztes Sicherheitsnetz. Die Kündigung der Patronatserklärung hat das Vertrauen unserer Kolleginnen und Kollegen in das Unternehmen nachhaltig erschüttert.“

Von Seiten des Unternehmens hieß es auf Anfrage: „Wir respektieren das Recht unserer Belegschaft, ihre Forderungen vorzubringen und von ihrem Recht in Form eines Warnstreiks Gebrauch zu machen. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, gemeinsam mit unseren Sozialpartnern schnellstmöglich ausgewogene und faire Lösungen zu finden.“

Die Ford-Werke haben hohe Verluste von dem Vernehmen nach bis zu neun Milliarden Euro angehäuft. Vor allem das Pkw-Geschäft läuft schleppend. Ford Deutschland bekommt zwar frisches Kapital in Höhe von bis zu 4,4 Milliarden Euro aus den USA. Damit soll aber in erster Linie die Schuldenlast gesenkt werden. Hinzu kommen Mittel für einen mehrjährigen Business-Plan in jährlich dreistelliger Millionenhöhe.

Die Gewerkschaft IG Metall erklärt, ohne die Patronatserklärung sei eine Insolvenz der Ford-Werke in den kommenden Jahren möglich. Wie die gesamte Branche hat Ford unter der Absatzflaute bei E-Autos zu leiden. Der Verkauf der beiden Kölner E-Modelle Explorer und Capri bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Die Kurzarbeit wurde deshalb bis Mai verlängert — in der Warnstreik-Zeit ist sie allerdings ausgesetzt. Insgesamt hat Ford noch etwa 11.500 Beschäftigte. Das Unternehmen hat schon eine Schrumpfung hinter sich, 2018 waren es noch knapp 20.000 Beschäftigte.