Die Note verschlechterte sich von 2,4 auf 3. Damit liegt Köln unter dem Durchschnitt von Großstädten.
Befragung in der CityNoten für Köln rutschen ab – zu wenig Grün, Leerstände, Dreck

Blick in die Hohe Straße
Copyright: Martina Goyert
Das „Jeföhl“ allein reicht nicht mehr, um über die Mängel hinwegzusehen: In der jüngsten Umfrage der Köln-Business Wirtschaftsförderung und der Industrie- und Handelskammer Köln ist die Stadt wesentlich schlechter beurteilt worden als in den vergangenen Jahren. Die Innenstadt bekam nur noch die Gesamtnote 3.
Das ist ein Abwärtstrend: 2022 lag die Note bei 2,4. Im Jahr 2020 gab es noch eine 2,3. Nun könnte man meinen, eine „Drei“ sei – entsprechend den Schulnoten – vielleicht immer noch eine Bewertung, mit der man leben kann. Doch mit dieser Note liegt Köln zum ersten Mal unter dem Durchschnitt der insgesamt zwölf untersuchten Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern. Sie erreichten eine Durchschnittsnote von 2,5. Befragungen gab es unter anderem in Leipzig, Essen und Stuttgart.
Maßnahmen gegen Leerstände in Köln gefordert
Bei der Erhebung „Vitale Innenstädte“ wurden an Donnerstagen und Samstagen von September bis Oktober 2024 rund 2000 Menschen an 13 zentralen Punkten der Kölner Innenstadt befragt, darunter Hohe Straße, Schildergasse und Neumarkt. Am schlechtesten bewertet wurde die Parksituation mit 3,9 (2022: 3,3), die Autofreundlichkeit mit 3,8 (3,2), die Sauberkeit mit 3,7 (3,0), Grünflächen/Stadtbegrünung mit 3,5 (3,2), für Plätze/Verweilmöglichkeiten gab es eine 3,4 (2,9).
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Nach konkreten Verbesserungen gefragt, wünschten sich viele für die Fußgängerzonen vor allem bessere Sanitäreinrichtungen, mehr Grün und Maßnahmen gegen Leerstände. Die große Kritik an den Leerständen nennt Manfred Janssen, Geschäftsführer von Köln-Business „bemerkenswert“ und sagt: „Aktuell gibt es rund 15 Prozent augenscheinlichen Leerstand auf der Hohe Straße, das sind 14 Objekte. Fünf davon stehen aber wegen anstehender Bauprojekte, also der baldigen Aufwertung der Straße, leer. Sie sind kein Zeichen des Verfalls.“ Die Nachfrage von Mietern sei weiterhin hoch. Doch für Passanten ist der Leerstand offenbar ein alarmierendes Ärgernis.
Auch die touristische Attraktivität von Köln wird schlechter bewertet
Zur schlechten Bewertung der Autofreundlichkeit gab es eine weiteres, etwas überraschendes Ergebnis. „Die Befragten erwarten hier nicht unbedingt Verbesserungen. Denn knapp 80 Prozent der Befragten wünschten sich parallel eine Umgestaltung zu einer auto- und verkehrsärmeren Innenstadt – oder hielten dies für sinnvoll.“
In anderen Kategorien wird die Innenstadt weiter mit „gut“ bewertet – wenngleich die Noten auch hier schlechter geworden sind. Die besten Noten gab es für Lebendigkeit und Vitalität – also das „Jeföhl“ – mit 2,3 (2022: 1,9), gastronomisches Angebot mit 2,3 (2,0) und Kulturangebot mit 2,3 (2,0). Auch die touristische Attraktivität und Sehenswürdigkeiten wurden mit 2,4 (2,0) schlechter bewertet– was möglicherweise an den zahlreichen Baustellen und geschlossenen Museen liegt. Auch in diesen Bereichen liegt Köln nun unter den durchschnittlichen Bewertungen der Vergleichsstädte.
„Die Passantinnen und Passanten zeigen uns noch einmal unmissverständlich auf, wo sie Handlungsbedarf sehen – bei Ambiente, Sauberkeit und Sicherheit muss im öffentlichen Raum mehr getan werden. Gleichzeitig befindet sich die City mitten im Wandel. Das sehen wir am Handel, der weniger gefragt ist und durch andere Angebote ersetzt wird. Daher sind alle Akteure in der Kölner City gefragt, gemeinsam an Lösungen und neuen Impulsen zu arbeiten“, so Manfred Janssen.
Kristel Degener, Leiterin des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Politik bei der IHK Köln: „Die Herausforderungen sind bekannt – Sauberkeit, Sicherheitsbedenken, Erreichbarkeit und die Aufenthaltsqualität. Auch der hohe Leerstand ist alarmierend. Wir haben zum Beispiel in der Hohe Straße kaum noch hochwertige Angebote. Es ist enorm wichtig, den Standort langfristig aufzuwerten, um für internationale Marken wieder attraktiv zu sein.“