In der ausverkauften Lanxess-Arena wird sich am Freitag zeigen, ob der KEC dem ERC Ingolstadt gefährlich werden kann. Oder ob der Gegner aus Oberbayern eine Nummer zu stark für die Haie ist.
0:7-Debakel gegen IngolstadtDie Gründe für den kollektiven Absturz der Haie

Ein oft gesehenes Bild im ersten Halbfinal-Spiel: Die Kölner Haie können nur hinterherschauen.
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Eishockey ist ein Sport, in dem Statistiken zu fast jedem Thema geführt werden. Und so wurde das 0:7, das der KEC am Mittwoch in Spiel eins der Playoff-Halbfinal-Serie beim ERC Ingolstadt einstecken musste, umgehend mit dem Etikett „historisch“ bedacht. Nie zuvor, so ermittelten die Statistiker der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) umgehend, gab es in einem Halbfinale der seit 1994 bestehenden Liga eine höhere Niederlage.
Die Haie-Profis, die unfreiwillig Geschichte schrieben, und ihr Trainer Kari Jalonen wollen sich mit derlei Dingen nicht befassen, sondern möglichst schnell vergessen, was vor 4637 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Ingolstädter Arena geschah. Man brauche in den Playoffs ein kurzes Gedächtnis, sagte Jalonen in diesen Tagen einige Male, und er wiederholte den Satz am Mittwoch nach dem Debakel.
Denn schließlich wollen die KEC-Profis am Freitag (19.30 Uhr) in ihrem Heimspiel in der mit 18.600 Besuchern ausverkauften Lanxess-Arena „alles besser machen“, wie Haie-Stürmer Maxi Kammerer erklärte – heißt: einen Sieg landen und in der Serie „Best of 7“ ausgleichen. Die Höhe der Auftaktniederlage wäre damit kein Thema mehr.
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Wie kam es zu dem Debakel?
Es war ein kollektiver Systemabsturz, einer der schwächsten Auftritte der Haie in jüngerer Vergangenheit. Die Kölner waren am Mittwoch nicht bereit für das Duell mit Ingolstadt, dem besten Team der DEL-Hauptrunde. Ihnen fehlte Wettkampfspannung, sie spielten fahrig und wirkten ausgelaugt. Offenbar hatte das Viertelfinale gegen Bremerhaven, der emotionale 3:1-Sieg am Freitag in Köln, mehr Energie gekostet, als sie selbst angenommen hatten. So standen die Profis neben sich und leisteten sich Fehler um Fehler, teilweise haarsträubender Art, die im ersten Drittel bereits zu vier Gegentreffern führten.
Jalonen stellte fest: „Das waren Fehler, die wir sonst in fast der ganzen Saison nicht begangen haben.“ 34:18 Torschüsse belegen die Einseitigkeit des Spiels, in dem die lauf- und offensivstarken Ingolstädter angesichts geringer Gegenwehr ihre Stärke locker entfalten konnten. Der ärmste Hai des Abends war Torhüter Julius Hudacek, der im ersten Drittel vier Tore kassierte, an denen er keine Schuld hatte. Dennoch wurde er im zweiten Drittel durch Tobias Ancicka ersetzt, der, passend zum Auftritt seiner Vorderleute, gleich den ersten Schuss zum 0:5 passieren ließ.
Was ist am Freitag möglich?
Einigermaßen ausgeruht sollten die Haie-Profis sein. Damit sie ausreichend regenerieren konnten, reiste das Team Mittwochnacht nicht wie üblich im Bus heim, sondern in einem gecharterten Flugzeug. Es geht um viel: In der Partie in der Lanxess-Arena wird sich zeigen, ob es den Haien überhaupt gelingen kann, dem Gegner gefährlich zu werden. Oder ob der ERC Ingolstadt, der sich in seiner Viertelfinal-Serie in sechs Partien gegen Nürnberg erfolgreich warmgespielt hat, in dieser Verfassung eine Nummer zu groß ist für den KEC. Jalonen optiert naturgemäß für Ersteres. „Wir werden regenerieren und uns sammeln. Die Reaktion nach einer Niederlage in den Playoffs ist wichtig, und darauf kommt es jetzt an“, sagte der Finne.
Zu Personalien gibt es seitens des Vereins zurzeit keine Auskünfte. Es wäre aber sicherlich hilfreich für den KEC, wenn der erfahrene Stürmer Frederik Storm, der am Mittwoch fehlte, am Freitag wieder dabei sein könnte. Am besten auch der an der Schulter verletzte Center Louis-Marc Aubry, auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass er schon fit ist. Ingolstadt hat deutlich mehr Kadertiefe als der KEC. Und es macht sich bemerkbar, wenn den Kölnern zwei routinierte Profis wie Aubry und Storm fehlen und andere Profis durch erhöhte Eiszeiten erschöpft werden.
Gab es schon vergleichbare Situationen?
Im Frühjahr 2002, dem Jahr des letzten Titelgewinns der Kölner Haie, trug sich Ähnliches beim Übergang vom Playoff-Halbfinale zum Finale zu. Nach einer auch emotional sehr anstrengenden Serie gegen die München Barons, damals noch im Modus „Best of Five“, legten die Haie einen Fehlstart in die Endspiel-Serie gegen Mannheim hin, nämlich eine 0:4-Niederlage bei den Adlern. Viele dachten schon, alles sei aus. Doch bekanntlich berappelte sich der KEC und gewann das Finale noch in 3:2 Spielen.
Eine für die Kölner unerfreuliche Parallele lässt sich zum Jahr 2019 ziehen. Nachdem die Haie sich nach 1:3-Rückstand in 4:3 Spielen im Viertelfinale gegen den ERC Ingolstadt durchgesetzt hatten, verloren sie das Halbfinale gegen Mannheim sang- und klanglos mit 0:4. Das Viertelfinale hatte den Haien nicht nur Kraft gekostet, es hatten sich auch so viele Kölner Profis verletzt, dass sie gegen den späteren Meister keine Chance hatten.
Wie geht es nach Freitag in der Halbfinal-Serie weiter?
Es gibt zwei weitere fixe Termine: Am Sonntag um 16.30 Uhr findet Begegnung drei beim ERC Ingolstadt statt. Das zweite Heimspiel in Köln geht am Mittwoch (19.30 Uhr) in der Lanxess-Arena über die Bühne und ist wie die Partie am Freitag bereits ausverkauft. Sollte es danach noch keinen Sieger in der Serie geben, gäbe es am 11. April ein fünftes Spiel in Ingolstadt, am 14. April ein sechstes in Köln – und am 15. April eine Begegnung sieben in Oberbayern.