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HockeyRot-Weiss Köln bangt um Meistertitel und EHL-Teilnahme

Lesezeit 4 Minuten
Jean-Paul Danneberg

Jean-Paul Danneberg vom KTHC Rot-Weiss Köln entschärft den Penalty von Niklas Wellen, doch am Ende jubelt Krefeld trotzdem.

Das Bundesliga-Team von Trainer Darren Cheesman sucht nach vier Punkten aus drei Spielen  noch seine Form. 

Spätestens als Jean-Paul Danneberg die Auszeichnung in den Händen hielt, kehrte sein Lächeln zurück. Einen Tag nachdem der KTHC Rot-Weiss Köln in Krefeld (1:3 n. P.) den nächsten Rückschlag in der Feldhockey-Bundesliga erlitten hatte, nahm Deutschlands Nummer eins in der Flora den Preis für „Kölns Team des Jahres“ entgegen. Flankiert von seinen beiden Mannschaftskollegen Tom Grambusch und Thies Prinz – und ebenfalls stellvertretend für RW-Torjäger Christopher Rühr sowie die im Sommer aus Köln verabschiedeten Mats Grambusch (Gladbacher HTC) und Johannes Große (Club an der Alster).

Gemeinsam war man in Paris angesichts der dramatischen Finalpleite im Shoot-out gegen die Niederlande an Olympia-Gold vorbeigeschrammt. Danneberg sprach nach der Kölschen Sportnacht von einer „richtig coolen Veranstaltung. Aufgrund unseres straffen Terminkalenders bleibt aber nie viel Zeit, um die ganzen Eindrücke sacken zu lassen. Denn wie immer warten schon die nächsten wichtigen Aufgaben auf uns.“

In Köln ist man es gewohnt, um alle Titel mitzuspielen
Darren Cheesman, Cheftrainer des KTHC Rot-Weiss Köln

Aus Vereinssicht allerdings weniger als sonst. Denn die Euro Hockey League findet 2025 ohne Rot-Weiss statt. „In Köln ist man es gewohnt, um alle Titel mitzuspielen“, sagt RW-Cheftrainer Darren Cheesman. „Dementsprechend wird es wehtun zuzugucken.“ Danneberg blickt den freien Feiertagen mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich werde Ostern erstmals seit 2019 bei meiner Familie in Darmstadt verbringen. Einerseits freue ich mich darauf, andererseits wird mir das Alternativprogramm fehlen.“

Vor sechs Jahren schnupperte der Weltmeister erstmals EHL-Luft, nämlich im Trikot des Mannheimer HC. Als 16-Jähriger ohne Bundesliga-Einsatz, wohlgemerkt. Beinahe wäre der Youngster im Viertelfinale gegen Mülheim (8:6 n. P.) sogar ins kalte Wasser geworfen worden. „Ich wurde schon zum Warmmachen geschickt“, erinnert sich Danneberg. Auch wenn es letztlich dabei blieb, bezeichnet er das (auf Platz drei abgeschlossene) Turnier heute noch als „emotionalste EHL-Erfahrung“. Beim Kölner Vizetitel 2023 war er (hinter Vincent Vanasch) ebenfalls nur Ersatztorhüter, ehe er im Vorjahr als Nummer eins eine Medaille knapp verpasste (4.).

KTHC Rot-Weiss Köln

Hand in Hand in die Euro Hockey League: Christopher Rühr vom KTHC Rot-Weiss Köln schwört seine Teamkollegen aufs Spiel in Krefeld ein.

„Die EHL ist und bleibt besonders“, so der Keeper. „Vielleicht tut ein Jahr Pause aber mal ganz gut, um zu realisieren: Die Teilnahme ist ein Privileg. Beim nächsten Mal wollen wir wieder dabei sein.“ Dafür muss Köln entweder Deutscher Meister oder Hauptrundensieger werden. Letzteres ist seit Samstag nicht unbedingt wahrscheinlicher geworden, denn mittlerweile trennen Rot-Weiss sieben Punkte vom Hamburger Polo-Club.

„Vier Zähler aus drei Spielen sind natürlich nicht unser Anspruch“, kommentiert Danneberg die Bilanz seit dem Jahreswechsel. „Aber wir haben Platz eins noch nicht abgeschrieben.“ Er entschärfte in Krefeld den Penalty von Kapitän Niklas Wellen, doch auf der Gegenseite scheiterten Elian Mazkour, Justus Warweg, Michel Struthoff und Prinz allesamt am Ex-Kölner Joshua Onyekwue Nnaji. Fabio Seitz hatte die Gäste in der 26. Minute in Führung gebracht, ehe Finn Langheinrich ausglich (53.). Cheesman sah zwar „klare Fortschritte. Aber nicht zuletzt im Shoot-out fehlt uns weiter die letzte Überzeugung.“

Jean-Paul Danneberg träumt von Welttorhüter-Auszeichnung

So droht Köln die erste Chance aufs EHL-Ticket zu verspielen. „Wenn wir die Qualifikation am Ende über den DM-Titel klarmachen, hätte ich auch nichts dagegen“, betont Danneberg. Dafür müsse sein Team aber „dringend Fahrt aufnehmen. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass wir in den Playoffs plötzlich den Schalter umlegen. Wir müssen in einen Flow kommen.“ Am besten schon in Hamburg, wo man am Samstag (11.30 Uhr) auf das Schlusslicht Großflottbek und tags darauf (14.15 Uhr) auf den Vorletzten Alster trifft. „Das sind Spiele, in denen Charakter und Mannschaftsgeist gefragt sind“, sagt Danneberg.

Der 22-Jährige geht dabei als Teamplayer voran, auch wenn ihn zusätzlich ein persönliches Ziel antreibt. Im Vorjahr stand er bereits zur Wahl als Welttorhüter, doch das Rennen machte Parattu Raveendran Sreejesh (Indien): „Mein Anspruch bleibt es, der Beste der Welt zu sein.“ Diesen Anspruch will er nicht zuletzt bei der Heim-EM im August untermauern – und auch mit Köln endlich wieder auf internationaler Bühne.


RW Köln unterliegt Titelverteidiger Düsseldorf

Die Bundesliga-Spielerinnen des KTHC Rot-Weiss sind für ihren engagierten Auftritt beim Tabellenzweiten Düsseldorfer HC nicht belohnt worden. Dank des einzigen Treffers durch Lucy Zich (42.) zog der Titelverteidiger vorerst auf sechs Punkte davon, während Köln auf Rang vier abrutschte und den Club an der Alster an sich vorbeiziehen lassen musste. Jenen Gegner, bei dem man am Sonntag (12 Uhr) antritt. Tags zuvor (15.45 Uhr) ist man beim Großflottbeker THGC (6.) gefordert.