Hinter den Höhenbergern liegt eine Rekord-Hinrunde. Viele Profis glänzen, einige haben jedoch noch Luft nach oben.
Viktoria Kölns Hinrunden-ZeugnisSaid El Mala ist eine Attraktion der Liga – Güler setzt Joker-Maßstäbe
Hinter dem FC Viktoria Köln liegt die stärkste Drittliga-Hinrunde der Vereinsgeschichte. Mit 29 Punkten und auf Rang sechs überwintert die Mannschaft von Trainer Olaf Janßen, der Relegationsplatz ist nur drei Punkte entfernt. Nach dem großen Umbruch im Sommer und dem kleineren Budget wurde die Viktoria oft als Abstiegskandidat gehandelt – doch zu diesen Regionen gibt es ein beruhigendes Polster. Coach Janßen, der sein Team am 3. Januar zum Trainingsauftakt erwartet, hat ein beeindruckendes Kollektiv geschaffen. Und dank der Rückkehrer Donny Bogicevic und Robin Velasco hat das Team sogar noch Luft nach oben. Eine Hinrunden-Einzelkritik der Kölner Profis
Dudu 2,5
Eduardo Dos Santos Haesler, kurz Dudu, hat sich nach seiner Verpflichtung aus Bremen schnell zu einem sicheren Rückhalt entwickelt. Der in Duisburg geborene Deutsch-Brasilianer ist stark auf der Linie, verfügt über eine ordentliche Strafraumbeherrschung und ist – wie seine Wurzeln erahnen lassen – fußballerisch gut ausgebildet. Das Gesamtpaket ergibt einen Torhüter sehr guter Ausstrahlung. Dudu leistete sich einen folgenschweren Patzer: Bei der 0:1-Heimpleite gegen Cottbus ließ der Keeper eine harmlose Flanke durch die Finger gleiten.
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Christoph Greger 2
Viktorias Kapitän ist die unumstrittene Führungspersönlichkeit auf dem Feld. Der Innenverteidiger geht mit sportlich und verbal voran. Direkte Zweikämpfe und Kopfballduelle sind die Spezialität des 27-Jährigen, mit seinem Stellungsspiel kann er etwaige Geschwindigkeitsdefizite gut kaschieren. Hatte beim 3:5 gegen Dortmund II den einzigen Totalausfall der Saison, krönte diesen Nachmittag mit einer Roten Karte.
Lars Dietz 2,5
Der Vize-Kapitän harmoniert im Abwehrzentrum prächtig mit Greger. Dietz hat neben seiner stabilen Abwehrarbeit auch noch einen präzisen rechten Fuß zur Spieleröffnung zu bieten. Der 27-Jährige hätte sich die eine oder andere Verwarnung sparen können, so fehlte er schon am zehnten Spieltag gelbgesperrt – dem 3:5 gegen Dortmund. Wie wichtig Dietz für die defensive Stabilität ist, beweisen die Partien gegen Bielefeld (0:2), Cottbus (0:1) und Wiesbaden (1:3), die der Abwehrspieler verletzungsbedingt verpasste und die Köln allesamt verlor.
Kwabe Schulz 3,5
Inzwischen ist der Berliner die erste Alternative, sollte Greger oder Dietz ausfallen. Schulz erreichte bislang nicht das Niveau des Stammduos, machte seine Sache in zehn Einsätzen aber ordentlich. Seine Startelf-Bilanz ist gut: Bei allen drei Berufungen des Innenverteidigers in die Anfangsformation blieb die Viktoria ungeschlagen.
Kevin Pytlik 4
Der frühere polnische Nachwuchsnationalspieler konnte seine Bewährungschancen nicht nutzen und ist im Innenverteidiger-Ranking deutlich abgefallen. Pytlik leistete sich immer wieder individuelle Aussetzer, die zu Gegentoren führten: Von Fehlpässen über Stellungsfehler bis hin zu Dribblings am eigenen Strafraum. Beim 1:3 gegen Wiesbaden patzte der 27-Jährige gleich mehrfach.
Niklas May 3
Das Eigengewächs legte einen furiosen Saisonstart hin und war als Linksverteidiger unermüdlicher Antreiber und Vorlagengeber. Im Oktober und November mehrten sich die Ungenauigkeiten in seinem Spiel, die Formkurve zeigte nach unten, der Stammplatz war weg. Erst gegen Jahresende wurde May wieder stabiler, sein vierter Scorerpunkt beim 2:1 gegen Hannover II war wichtig. Verpasste den Hinrunden-Abschluss mit einem Muskelfaserriss.
Simon Handle 2,5
Bleibt auch in seiner siebten Saison bei Viktoria ein entscheidender Faktor – ob als Links- oder Rechtsverteidiger, Links- oder Rechtsaußen. Trainer Olaf Janßen weiß, was er bekommt, wenn er Handle aufstellt: Schnelligkeit, Galligkeit und nimmermüde Laufstärke. Mit knapp 32 ist er der Senior unter den Stammkräften, bleibt aber unverzichtbar. Stand in 18 von 19 Partien auf dem Rasen. Seine weiten Einwürfe sind Waffen, seinen Flanken würde etwas mehr Präzision nicht schaden.
Sidny Cabral 3
Auch der Mann von den Kapverden startete stark in die Saison. Der Rechtsverteidiger brachte seine Sprinter-Qualitäten gut ein und bereitete viele Chancen vor. Nach einer Knöchelverletzung im September fand er allerdings nicht mehr zu dieser Form zurück. Hat in der zweiten Saisonhälfte noch Luft nach oben.
Jonah Sticker 2,5
Einer der Gewinner der Hinrunde. Vom Bank-, zum Einwechsel-, zum Stammspieler. Der 20-Jährige genießt viele Freiheiten bei Trainer Janßen. Kann auf beiden Außenbahnen spielen, dazu im zentralen Mittelfeld. Interpretiert seine Rollen in der Regel offensiv. Zwar sind seine Auftritte nicht immer fehlerfrei, dafür aber immer mutig.
Enrique Lofolomo 3
Das Kraftwerk im Spiel der Viktoria. Der Zugang aus Halle avancierte umgehend zum Stammspieler. Mit seiner Physis und seiner Intensität prägt er fast jede Kölner Partie. Hat taktisch noch ein bisschen Nachholbedarf, auch einige individuelle Aussetzer und die unnötige Rote Karte gegen Sandhausen trüben den Gesamteindruck ein bisschen.
Florian Engelhardt 2,5
Mit 21 Jahren ist der frühere Jugendspieler von Viktoria, Fortuna und FC bereits der Chefstratege im Höhenberger Mittelfeld. Engelhardt strahlt auch unter Bedrängnis viel Ruhe aus und spielt kaum Fehlpässe. Harmoniert gut mit Lofolomo. An seinem Zug zum Tor sollte er noch etwas arbeiten.
Bryan Henning 2
Brauchte nach seinem Kreuzbandriss nicht viel Anlaufzeit, um wieder die Lücke zu füllen, die er durch seine schwere Verletzung hinterlassen hatte. Henning sucht und findet auch unter Bedrängnis fast immer eine fußballerische Lösung, hat dazu ein gutes Auge für die Mitspieler. Wurde im letzten Drittel der Hinrunde durch zwei Muskelverletzungen ausgebremst.
Said El Mala 1,5
Eine Attraktion in Liga drei: Schnell, dribbelstark, teils kunstvoll im Abschluss – das alles mit nur 18 Jahren. Der jüngere der El-Mala-Brüder ist ein Eckpfeiler von Viktorias Angriffsspiel. Dazu glänzte er in der U-19-Nationalmannschaft. Hätte vielleicht ein paar Tore mehr erzielen können. Zudem hat er Schwalben wie jene beim 2:1 in Hannover nicht nötig. Doch der 1. FC Köln dürfte am Sommer 2025 viel Freude am Außenstürmer haben.
Albion Vrenezi 3,5
Stand in 18 von 19 Spielen auf dem Feld und war immer wieder irgendwie an Viktorias schnellen Angriffen beteiligt – allerdings selten entscheidend. Nur ein Tor und keine Vorlage sind eine dünne Ausbeute für den zweitliga-erfahrenen Routinier.
Tyger Lobinger 2
Der 1,92-Meter-Sturmtank passt wie die Faust aufs Auge zur Viktoria. Lobinger verbindet seine körperliche Wucht mit einer erstaunlichen Schnelligkeit für einen Mann seiner Statur. Der 25-Jährige konnte endlich unter Beweis stellen, dass ein Torjäger in ihm steckt – zum Ende der Hinrunde steht Lobinger bei acht Treffern und drei Vorlagen. Sammelte mit 1576 die meisten Einsatzminuten aller Feldspieler.
Semih Güler 2
Dürfte rückblickend fast froh sein, dass er einen Fitness-Rückstand mit zur Viktoria brachte. Denn als Einwechselspieler startete der Stürmer durch, ist mit neun Joker-Toren schon in der Hinrunde zum Drittliga-Rekordschützen aufgestiegen. Zum Jahresabschluss gegen Sandhausen brach Güler dann auch den Startelf-Fluch.
Aufgrund mangelnder Einsatzzeiten nicht bewertet wurden Kevin Rauhut, Oskar Hill, Zoumana Keita, Patrick Koronkiewicz, Benjamin Hemcke, Moritz Fritz, Donny Bogicevic, Suheyel Najar, Thomas Idel, Luca de Meester, Robin Velasco und Malek El Mala.