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Kölner Stadtbahn-NetzWas die Entscheidung für den neuen U-Bahn-Tunnel jetzt bedeutet

Lesezeit 5 Minuten
90 Meter lange Bahnen der KVB am Neumarkt.

Zwischen Heumarkt und Aachener Weiher soll ein neuer Stadtbahntunnel entstehen.

Der Beschluss des Stadtrats ermöglicht eine weitere Planung der U-Bahn-Variante, ob es auch zum Bau kommt, ist damit aber noch nicht sicher.

Der Stadtrat hat am Donnerstag neun Jahre nach der ersten Machbarkeitsstudie entschieden, dass in der Kölner Innenstadt zwischen dem Heumarkt und dem Aachener Weiher ein neuer, 2,6 Kilometer langer Tunnel für die Stadtbahnen gebaut werden soll. Das bedeutet aber nicht, dass nun auch schon bald die Bauarbeiten beginnen können. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was genau hat der Stadtrat am Donnerstag entschieden?Die Stadtverwaltung hat den Auftrag erhalten, die Planungen für den Bau eines Tunnels zwischen Heumarkt und Aachener Weiher vertieft weiterzuplanen und bei Bund und Land Fördergelder für das Projekt zu beantragen. Weiterhin hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, einen Architektenwettbewerb für die Gestaltung der drei neuen unterirdischen Haltestellen Neumarkt, Rudolfplatz und Moltkestraße zu starten. Abweichend vom Vorschlag der Stadt soll es keinen unterirdischen Abzweig für die Linie 9 geben, sodass diese weiterhin oberirdisch fahren soll. Die unterirdische Haltestelle am Neumarkt soll deshalb über nur zwei und nicht wie bisher geplant über vier Gleise verfügen. Mit dem Beschluss hat die Politik Planungskosten in Höhe von 61 Millionen Euro freigegeben.

An welcher Stelle steht das Projekt zurzeit?Abgeschlossen ist bislang erst die zweite von insgesamt neun Leistungsphasen, die Planer und Architekten beim Bauen üblicherweise ansetzen. Dabei handelt es sich um die Vorplanung.

Was passiert jetzt als Nächstes?Die Stadtverwaltung muss das Projekt bis zum 31. Juli bei Land und Bund im sogenannten ÖPNV-Bedarfsplan für die Förderung anmelden. Sollte das nicht gelingen, könnte die Stadt den neuen Tunnel erst für den nächsten Bedarfsplan melden. Bis dieser fertig sein wird, werden voraussichtlich zwei weitere Jahre vergehen.

Und was kommt dann?Unabhängig davon muss die Stadt jetzt auf Basis der Vorplanung eine Entwurfsplanung beauftragen, also im Prinzip eine tiefere Planung, bei der es statt einer Kostenprognose auch eine Kostenschätzung und einen Terminplan gibt. Dann folgt eine Genehmigungsplanung, bei der geklärt wird, unter welchen Umständen was genau gebaut werden darf. Danach kommt die Ausführungsplanung, die sehr konkret und bis ins Detail klärt, wie der Bau aussehen und ablaufen soll. Der Stadtrat muss außerdem neben vielen kleineren Beschlüssen auch noch einen weiteren wichtigen Beschluss fassen, den konkreten Baubeschluss. Das geschieht unter anderem auf Basis einer genaueren Kostenschätzung.

Der Heumarkt in einer Visualisierung der neuen Verkehrsführung auf der Ost-West-Achse.

Der Heumarkt in einer Visualisierung der neuen Verkehrsführung auf der Ost-West-Achse.

Wie lange wird es noch dauern, bis der Tunnelbau beginnen kann und wann wird er fertig sein?Das ist schwierig zu beantworten, weil es noch zu viele Unwägbarkeiten gibt. Zum Vergleich: Beim Bau der Wehrhahn-U-Bahn in Düsseldorf sind zwischen dem Ratsbeschluss zur Entwurfsplanung bis zur Eröffnung 16,5 Jahre vergangen. Auf die reine Bauzeit entfielen acht Jahre und drei Monate. Die Voraussetzungen sind in Köln allerdings kaum vergleichbar, alleine schon deshalb, weil in dem Gebiet zwischen Heumarkt und Aachener Weiher sehr viele archäologische Funde im Untergrund zu erwarten sind.

Was soll der neue Tunnel kosten?Die Stadt und die von ihr beauftragten Planer rechnen derzeit mit 1,06 Milliarden Euro. Im Idealfall sollen Bund und Land 90 Prozent der Kosten aus Fördertöpfen bezahlen. Ohne Förderung wird sich die Stadt Köln das Projekt alleine angesichts der ohnehin schwierigen Haushaltslage nicht leisten können.

Lässt sich der Tunnelbau jetzt noch verhindern?Grundsätzlich ja. Der Stadtrat hat den eigentlichen Tunnelbau noch nicht beschlossen. Grundsätzlich muss sich also für einen Baubeschluss wieder eine neue Mehrheit finden, allerdings unter anderen Voraussetzungen als am Donnerstag. Im Herbst stehen die Kommunalwahlen und die Oberbürgermeisterwahl an. Von deren Ausgang wird es abhängen, ob es auch im neu gewählten Stadtrat wieder eine Mehrheit für einen Tunnel geben wird oder nicht. Die Grünen haben als Reaktion auf den Tunnelplanungsbeschluss am Donnerstag bereits eine Bürgerbefragung zum Thema gefordert. Die Linke will klagen, weil den Politikern nicht alle für eine Entscheidung notwendigen Informationen vorgelegen hätten.

Sind die Grünen grundsätzlich gegen den Bau von U-Bahn-Tunneln?Der Blick nach Hamburg und München zeigt, dass es bei den Grünen keine geschlossene Haltung gegen den Bau neuer Tunnel gibt. In beiden Metropolen werden neue Tunnel gebaut, die Grünen sind Befürworter dieser Projekte. In München warben die dortigen Grünen auf Wahlplakaten mit dem Spruch „Für U-Bahn-Bau statt Dauerstau“. Die Kölner Grünen haben sich bei der Frage nach der Zukunft der Ost-West-Achse sehr früh darauf festgelegt, einen Tunnelbau abzulehnen und diese Haltung bislang konsequent beibehalten.

Gibt es weitere Aufträge für die Zukunft der Ost-West-Achse?CDU, SPD und FDP haben mit weiteren Anträge weitere Planungen beauftragt, die unabhängig von dem grundsätzlichen Tunnelbeschluss sein sollen. Die Stadtverwaltung soll demnach prüfen, ob und wie die Ost-West-U-Bahn nach Möglichkeit im Anschluss oder während des Baus der neuen Trasse um einen Rheintunnel zwischen den Haltestellen Bahnhof Deutz/Messe und Heumarkt verlängert werden kann. Der Tunnel soll zudem in der anderen Richtung bis hinter die Kreuzung Aachener Straße/Innere Kanal- und Universitätsstraße verlängert werden. Auf Höhe des Aachener Weihers soll ein weiterer Tunnel Richtung Universität über die Universitätsstraße entstehen. Zwischen der Dürener und der Bachemer Straße könnte die U-Bahn dann an die Oberfläche kommen.

Was hat der Stadtrat am Donnerstag zusätzlich zur Weiterplanung für den Tunnel beschlossen?Auf Antrag von CDU, SPD und FDP hat der Stadtrat die Stadtverwaltung beauftragt, die Einführung von sogenannten Metrolinien mit einer Machbarkeitsstudie zu prüfen. Dabei handelt es sich um Stadtbahnen, die grundsätzlich auf eigenen Gleiskörpern fahren und oberirdisch Vorrang vor allen anderen Linien haben. Eine von vier möglichen Linien wäre die M 1 (bisher Linien 16 und 18), die von Thielenbruch über die Trasse der Nord-Süd-Stadtbahn nach Bonn Bad Godesberg fahren könnte. Das könnte schon ab 2032 der Fall sein, falls der U-Bahn-Tunnel an der Archiveinsturzstelle am Waidmarkt bis dahin fertig sein sollte.