Intendant Hein Mulders bringt in der nächsten Spielzeit einen „Ring des Nibelungen“ und prominente Gastspiele nach Köln.
Oper KölnDas bringt die Spielzeit 2025/26

Auf dem Podium der Kölner Oper: Svenja Gottsmann, Andrés Orozco-Estrada, Hein Mulders, Stephan Steinmetz (von links nach rechts)
Copyright: Alexander Schwaiger
Eigentlich gehört die jährliche Spielzeit-Pressekonferenz zu den angenehmsten Terminen im Kalender eines Opernintendanten. Für Hein Mulders ist dieser Spaß aber schon seit seinem Amtsantritt 2022 durch die Misslichkeiten um die Opernbaustelle stark eingeschränkt. Dass auch die kommende Spielzeit komplett im Deutzer Staatenhaus stattfinden wird, war ja bereits bekannt. Aber wird es dabei bleiben? Hein Mulders lächelt solche Fragen mittlerweile souverän weg: „Ich bin Optimist.“
Etwas unwirsch reagierte er dagegen auf eine Nachfrage zur künftigen Arbeitssituation im Staatenhaus. Ab Januar 2026 muss man sich das Haus mit der ATG Entertainment teilen, dem Betreiber des Musical-Domes, der hier ein neues Theater mit 1800 Plätzen einrichten wird. Für die Oper bedeutet das den Verzicht auf Proben-Kapazitäten und - vor allem - auf die Nutzung von Saal 3 im Obergeschoss, wo bisher kleinere Produktionen und die Kinderoper zu erleben waren.
Paul-Georg Dittrich inszeniert den Kölner „Ring“
Aber natürlich greift die mehrfach verschobene Wiedereröffnung auch ganz konkret in die Inhalte der künstlerischen Arbeit ein. Das dürfte vor allem das mit Abstand prestigereichste Projekt der nächsten Saison betreffen, die Neuproduktion von Wagners „Ring des Nibelungen“, dirigiert von Marc Albrecht, inszeniert von Paul-Georg Dittrich, der sich in Köln bereits mit Zemlinskys „Der Zwerg“ erfolgreich eingeführt hat.
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Ein „Ring“ in der völlig offenen Raumsituation des Staatenhauses hätte natürlich ein besonderes szenisches Potenzial entfalten können, aber nur „Rheingold“ (26.10.25) und „Walküre“ (29.03.26) werden hier ihre Premiere haben. „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ dagegen sind bereits fürs Opernhaus geplant, dessen traditionelle Guckkastenbühne damit zur Vorgabe für das ganze Projekt wird.
Bevor aber Wagners Rheintöchter (in unmittelbarer Nähe zum Originalschauplatz) ihr feuchtes Unwesen treiben, geht der Blick noch ins Paris des 18. Jahrhunderts: Die Eröffnungspremiere gilt Puccinis „Manon Lescaut“, die zuletzt Ende der 1980er Jahre in Köln inszeniert wurde. Damit gibt der venezolanische Regisseur Carlos Wagner sein Kölner Operndebüt; am Pult steht der neue Kölner GMD Andrés Orozco-Estrada, der sich das Stück, wie er freimütig zugab, erst auf Anregung Hein Mulders' zu eigen gemacht hat.

Blick in die Pressekonferenz der Kölner Oper
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Auch Humperdincks „Hänsel und Gretel“, das er als Wiederaufnahme (30.11.25) dirigieren wird, ist neu für den Kolumbianer, der seine Meriten eher auf dem Konzertpodium als im Orchestergraben hat. In Mozarts „Le nozze di Figaro“ (Premiere: 01.03.26) bringt der vitale Maestro immerhin die Erfahrung aus vier vorangegangenen Produktionen ein; Regie führt Katharina Thoma, die in Köln bereits Strauss' „Frau ohne Schatten“ inszeniert hat. Einen internationalen Regie-Star wie Barrie Kosky zu gewinnen, ist nur mit erheblichem Vorlauf möglich - so begnügte man sich einstweilen damit, seine szenische Adaption von Händels „Saul“ (23.11.25) einzukaufen, die zuvor beim Glyndebourne Festival gelaufen war. Die musikalische Leitung hat der Barock-Spezialist Rubén Dubrovsky, seit dieser Spielzeit Erster Gastdirigent der Kölner Oper.
Gleichfalls eine Übernahme (diesmal vom Festival in Aix-en-Provence) ist George Benjamins neue Oper „Picture a day like this“. Um diese Deutsche Erstaufführung (10.05.26) hatten sich - wie Hein Mulders glaubhaft versicherte - auch andere deutsche Bühnen gerissen. Der Schwede Christian Karlsen dirigiert; Regie führen Daniel Jeanneteau und Marie-Christine Soma. Für den Frühsommer 2026 ist (nicht zum ersten Mal) der allmähliche Rückzug der Oper aus dem Staatenhaus geplant. Verdis früher „Ernani“ wird unter der Leitung von Giuliano Carella schon nur noch konzertant gespielt (22.04.26).
In Bregenz sorgte dieser Rossini für Diskussionen
Die letzte szenische Produktion der Saison - von Georges Petrou dirigiert - gilt Rossinis Sarazenen-Drama „Tancredi“ (20.06.26), das den Meister der federleichten Buffa einmal von einer ganz anderen Seite zeigt. Die als Hosenrolle angelegte Titelfigur veranlasste den Regisseur Jan Philip Gloger zu einer Deutung im Sinne eines gleichgeschlechtlichen Beziehungskonflikts. In Bregenz sorgte das für Diskussionen, in Köln wohl eher nicht.
Neben „Hänsel und Gretel“ werden auch die beliebten Produktionen von Mozarts „Zauberflöte“, Puccinis „Turandot“ und Rossinis „Cenerentola“ auf den Spielplan zurückkehren. Die Kinderoper geht mit zwei „Literaturopern“ ins Rennen - dem „satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ nach Michael Ende (25.10.25) und einer Vertonung von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ (24.01.26), mit der man auch in die Grundschulen reisen wird. Nach dem erzwungenen Exodus aus dem Staatenhaus findet die Kinderoper vorübergehend in der Comedia Unterschlupf - hier geht Brigitta Gillessens „Freischütz“-Adaption „Freikugeln“ in einer Fassung für Menschen mit und ohne Hörbehinderung über die Bühne (11.04.26).
Bliebe noch der Tanz, der an der Kölner Oper in schlechter Tradition nur gastspielweise zu erleben ist - das aber immerhin prominent: Sasha Waltz & Guests kommen mit ihrem Stück „Beethoven 7“ (01./03.10.25); das Hessische Staatsballett ist mit „Corps de Walk“ zu Gast, (04./05.01.26), die Juniors aus Eric Gauthiers Stuttgarter Dance Company mischen das Staatenhaus mit „Dream Team“ auf (21./22.02.26). Im Rahmen der zweijährlichen Kooperation mit der Freien Tanzszene erhielt diesmal Choreograf*in, Tänzer*in und Performer*in Brig Huezo den Zuschlag für ein eigenes Projekt mit den Ressourcen der Oper (11.-14.04.26).