Herrlich jeck: Hier fassen wir die Highlights aus dem Straßenkarneval der Gemeinde Blankenheim zusammen. So war der Zoch in Ripsdorf.
Karneval 2025Juh-Jah! So feiert die Gemeinde Blankenheim – Ripsdorfer Zug war wunderschön

Die Ripsdorfer Märchenwelt, unter anderem mit Rapunzel, Rumpelstilzchen, Hänsel und Gretel sowie der Schönen und dem Biest.
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An den Karnevalstagen finden Sie hier die schönsten Bilder aus dem Gemeindegebiet Blankenheim.
In Ripsdorf ging wieder einer der schönsten Züge der Region
Quallen, Wischmopps – und Hanfanbau: Ein bunt kostümiertes Völkchen in Fußgruppen und auf originellen Mottowagen ging im Ripsdorfer Veilchendienstagszug. Geschätzte 420 Teilnehmer in 21 Gruppen waren dabei.
„Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist der schönste Zoch im Land?“ Das stand auf einer Pappe an einer der Zugmaschinen. Die Frage hat ja ihren Sinn. Denn der Zoch , der über die Hauptstraße führt, ist nicht nur einer der letzten der Session, sondern oft einer der gelungensten. Das meinen jedenfalls viele, die ihn gesehen haben.
In diesem Jahr hatte das Orga-Team laut Leander Meyering-Schnichels, dem zweiten Vorsitzenden des Karnevalsvereins, mit 21 Gruppen, die zum größten Teil aus dem Dorf selbst kamen, noch einmal mehr Jecken registriert. Für sie und die vielen Besucher wurden auch nach Ripsdorf Zufahrten abgesperrt.
Bei schönstem Frühlingswetter rollte dann zunächst Michael Meuser auf seinem alten Hanomag voran. Den Auftakt bildeten nicht wie gewohnt die Show Fanfares samt der Majoretten. Meuser erhielt das Privileg, um mit einer Aufstellfigur hinter seinem Zugwagen, die einen Feuerwehrmann auf der Leiter beim Löscheinsatz zeigt, auf das 100-jährige Bestehen der Ripsdorfer Löschgruppe hinzuweisen. Das war dem KV natürlich die Überlassung der Pole-Position im Zoch wert.
Es folgten unter anderem bunte Märchenwelt-Figuren, dargestellt von einer Gruppe aus Ripsdorf. Rapunzel, Rumpelstilzchen, Hänsel und Gretel, die böse Maleficent, „Die Schöne und das Biest“ waren dabei. Auch ein König, der sich nicht direkt zu einer Erzählung zuordnen wollte: „Einen König braucht man im Märchen irgendwo ja meistens.“ Wikinger vom Karnevalsverein Steffeln, „Après Ski“ von „Schwiegermutters Liebling“ aus Esch und Feusdorf folgte. Dann wurde es im übertragenen Sinne glitschig: „Ich bin quallefiziert“ hatte der achtjährige Philipp auf seinem Minitraktor plakatiert. Er führte die Quallen aus Ripsdorf an, deren bunte Zellophan-Tentakeln im Sonnenlicht leuchteten. Ebenfalls spontanen Beifall erhielten die Wischmopps aus Dollendorf. „Wir haben blaue Waschbütten und Mülleimer, rote Pool-Spaghettis und Textilien als Feudel genommen“, so Wischmoppin Janine.
Der Zoch wurde wie gewohnt durch geschickt verteilte Musikgruppen aufgelockert: Neben den Show Fanfares waren es der Spielmannszug Dollendorf sowie die Musikvereine Rescheid und Lommersdorf. Apropos locker: Auch die Legalisierung des Cannabis-Anbaus war den Jecken ein Thema wert. Selbstangebautes hatte der „1. Cannabis-Verein Ripsdorf“ dabei. Man halte sich für gemeinnützig, nicht für gemeingefährlich, das zur Klarstellung. Und man lege Wert darauf, dass es auf dem Wagen gar nicht um den Hanfanbau gehe, sondern um die Demonstration einer Nutzanwendung von Ökostrom für Gewächshauspflanzen, bereitgestellt von einem Euskirchener Energieversorger. Die Wertschöpfung soll in der Region bleiben.
Wie gewohnt bot der Zoch so Buntes und Überraschendes. Etwa eine komplette Tankstelle auf dem Lkw-Hänger. Die KG „Isso besser“ aus Wiesbaum hat sich angeblich von einem anderen Karnevalsverein aus dem Dorf abgespalten. Das „is so besser“, sagen sie. Zapfanlage, Retro-Dach und Waschanlage waren bei der „Isso“-Tanke aufgebaut. Auf einer Rampe wurde ein Mini-Oldtimer am Seilzug hochgefahren. Oben angekommen, gab es aber nur Trockenwäsche. Die Seifenblasen-Anlage für die Schaumwäsche war leider Aus. Nach fünf Zoch-Einsätzen vorher blieb den Wiesbaumern nur achselzuckend ein „Is so besser“.
Waldorfer Karnevalsurgestein Klaus Esser hat jetzt eine Praktikantin
55 Jahre –ein jeckes Jubiläum feiert der Karnevalsverein Waldorf in dieser Session. Beim Zoch zeigte sich: Im rund 200-Einwohner-Dorf gelingt den aktuell 33 organisierten Jecken die Nachwuchsarbeit – ein Garant fürs Fortbestehen.

Das Gießkännchen als Narrenkappe: Bettina, Sarah und Minuschka (von links) waren als „Gärtnerinnen“ im Zoch dabei.
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Waldorfs Karnevalsurgestein Klaus Esser, 89, hat mit Caro Jentges (links) eine „Praktikantin“, die ihn beim Kötten für die Zochkasse unterstützt. KV-Waldorf-Vorsitzende Manuela Linden-Saftig freut sich: „Von den neun Gruppen im Zoch kommen sieben aus unserem kleinen Dorf!“
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Wie gut sie aufgestellt sind, zeigen die Waldorfer beim jecken Lindwurm durchs Dorf: Sieben von neun Gruppen kamen aus Waldorf selbst, zwei waren aus Ripsdorf und Dollendorf mit eigenem Mottowagen angereist. Auch am Rand des Zochweges konnte man ein Beispiel für die Generationenfolge erleben: Klaus Esser, Waldorfer Karnevalsurgestein und mittlerweile 89 Jahre alt, hat eine „Praktikantin“ fürs Kötten gefunden. Caro Jentges beherzigt die Tipps des Profis. Esser hat immerhin 19 Jahre lang die Sammelbüchse geschwungen und um einen Obolus für die Zochkasse gebeten: „Immer freundlich, aber auch hartnäckig sein!“ Nebenbei bemerkt ist schon Essers Urenkel im KV Waldorf aktiv dabei.
Außerdem mischten die „Schornsteinfeger“ munter im jecken Treiben mit, dazu eine Gruppe, die sich als Konfettis kostümiert hatte, neun Draculas, natürlich der Musikverein Waldorf, die Junggesellen als „Mario Kart Gruppe“, „Cowboy und Indianer“, „Jäger und Tiere“. Und dann waren da neun Gärtner. Wie man das Thema als Kostümkopfbedeckung umsetzt? Man schneidet einfach ein Gießkännchen auf und setzt es ohne Boden auf den Kopf. „Wir wollen Waldorf zum Erblühen bringen“, so Sarah Mies. Das war angesichts des Wetters eine Leichtigkeit.
Für den Blangemer Zoch geht's nach dem Dienst flott ins Kostüm
Nach dem Geisterzoch ging am Rosenmontag der zweite närrische Lindwurm der Session durch die Ahrstraße. 14 Fußgruppen und Wagen waren mit von der Partie.
Karneval feiern – das ist ein Grundrecht! Wer's noch nicht wusste, musste nur Luitgard und Agathe fragen. Die beiden Seniorinnen sehen sich als „Omas für Juh-Jah“, das hatten sie auf ein Transparent geschrieben, dessen Stange an Agathes Rollator befestigt war. Pflegerin Lara war gleich mit dabei. Denn im Alter wollen die beiden rüstigen Blankenheimerinnen das eine tun, nämlich feiern, auf das andere, die nötige Betreuung, aber nicht verzichten müssen.
Wie die beiden Seniorinnen waren einige Hundert Zuschauer an die Ahrstraße von Blankenheim gekommen, um den Zoch zu sehen. Er wurde – Tradition ist Tradition – von den beiden „Jecken Böhnchen“, in diesem Jahr Tom Franzen und Noel Mercier, angeführt. Unter den Mottowagen im Zoch waren auch zwei von den jecken Nachbarn des KV Gemötliche Dörfer Blankenheimerdorf und einer von den Nachbarn aus Dahlem dabei.

Pflegerinnen des Seniorenheims Auf Hülchrath hatten ihre Tagesdienste so organisiert, dass sie beim Zoch dabei sein konnten.
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Ihr Kostüm, der Haarschmuck und das Make-up waren inspiriert vom mexikanischen „Dia de los Muertos“: Katja und Melanie aus Blankenheim.
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Die schönsten Kostüme trug eine Clique aus 25 Blankenheimern und Blankenheimerinnen, die sich die bunten Farben des mexikanischen „Dia de los Muertos“ (Tag der Toten) ausgesucht hatten. Totenkopf-Make-up, bunter Federkopfschmuck, weite und mehrschichtige Röcke trugen auch Katja und Melanie. Und natürlich wurde die aufwendige Kostümierung von den jungen Frauen eifrig für Selfies genutzt.
An Karneval arbeiten? Das müssen auch die neun Pflegerinnen der Seniorenwohngemeinschaft St. Joseph und St. Ägidius in Blankenheim. „Doch wir haben unseren Dienst extra so gelegt, dass wir im Zoch mitlaufen können“, so Isolde Schmitz, die gerade vom Frühdienst kam und sich wie ihre acht Kolleginnen schnell das selbstgebaute „Heißluftballonkostüm“ umschnallte. Auch ein anderes ungewöhnliches „Gefährt“ war im Zoch dabei: Das Team eines örtlichen Taxiunternehmens hatte ein „Party-Bike“ für zwölf radelnde Jecken umgebaut und warb so für alternative Öko-Fortbewegungsmittel.
Ganz traditionell sind in Blankenheim die Geister los
Der Zoch in Blankenheimerdorf ist aus dem Tief wieder raus
Ein wenig Bedenken hatten die Blankenheimerdorfer vor einigen Jahren, was den Fortbestand ihres Zochs angeht. Doch am Weiberdonnerstag zeigten sie eindrucksvoll, dass ihr Fastelovend quicklebendig ist.
Was war sonst los?
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