Zwei Wochen lang haben Auszubildende eine Filiale des Discounters Lidl geleitet. Das sind die Erfahrungen, die sie dabei gemacht haben.
Nachwuchs im EinzelhandelWie Auszubildende in Hürth selbst eine Lidl-Filiale leiten

Azubi-Filialleiter Christopher Schiemann und Celina Frevel prüfen die Warenbestände am Obst- und Gemüseregal.
Copyright: Paul Möllecken
Familien beim Wocheneinkauf, Mitarbeiter beim Regale einräumen, hoher Durchlauf an der Kasse – das alles klingt nach einem ganz normalen Tag in der Lidl-Filiale an der Kölnstraße 110 in Hermülheim. Und doch war etwas anders in den vergangenen beiden Wochen.
18 Auszubildende aus verschiedenen Filialen in Köln und dem Rhein-Erft-Kreis aus acht Nationen hatten für 14 Tage das Kommando in Hermülheim übernommen, konnten in Eigenverantwortung von der Filialleitung bis zum Lagermanagement ihre in der Berufsausbildung schon erworbenen Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Hürth: Azubis stellen sich der Herausforderung
„Wir haben dafür die besten Azubis aus Filialen der Umgebung ausgewählt und so ein außergewöhnlich motiviertes Team zusammengestellt“, so Christoph Doll, der das Projekt als verantwortlicher Verkaufsleiter der Kerpener Lidl-Vertriebsgruppe betreut. „Vor allem der Austausch über Arbeitsabläufe in anderen Lidl-Filialen bringt einem neue Perspektiven“, sagt Christopher Schiemann, der anstelle von Stefan Seitz für die zwei Projektwochen als Azubi die Leitung in der Hermülheimer Lidl-Filiale übernommen hat.
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Viele der Azubis machen parallel eine kaufmännische Ausbildung, etwa im Kölner Berufskolleg an der Lindenstraße oder an der Weststadtakademie Essen. „Durch diese Aktion konnte ich einen Einblick bekommen, was Führung wirklich bedeutet“, sagte Schiemann. Vor allem das Zeitmanagement, die Koordination mit Lieferanten sowie der Kontakt zu den Kunden seien dabei herausfordernd.
Kunden sind geduldiger als in der Großstadt
Das Resultat scheint dem Vergleich mit der normalen Besetzung mit Vollzeit-, Teilzeit- und Werkstudentenjobs standhalten zu können. „Von der Qualität der Arbeit merken wir überhaupt keinen Unterschied“, so Verkaufsleiter Doll. Eine Umstellung bedeutet das Projekt nicht nur für die Hürther Filialmitarbeiter – auch die Azubis aus der Umgebung stellen trotz ähnlicher Arbeitsabläufe Unterschiede im Geschäftsbetrieb fest.
„Am Neumarkt in Köln, wo ich sonst arbeite, gibt es mehr Action – hier ist die Kundenatmosphäre etwas gemütlicher“, fand etwa Kübra Kösem, die sich über die Abwechslung in der Ausbildung freute. „Im Innenstadtraum gibt es viel mehr Laufkundschaft, hier mehr Pendler und Familien“, erläuterte Christoph Doll – oft sei die Arbeit in kleineren Städten entspannter, die Kunden geduldiger.
„Es ist toll, so viele neue Bekanntschaften gemacht und die Lidl-Azubis im Raum Köln besser kennengelernt zu haben“, resümierte „Filialleiter“ Schiemann – auch nach dem Projekt wollen die Auszubildenden weiterhin in Kontakt bleiben.
Freie Ausbildungsplätze im Sommer
Rund 100 Auszubildende stellt die Lidl-Regionalgesellschaft in Kerpen jährlich ein. In den 81 Filialen werden Verkäuferinnen und Verkäufer sowie Kaufleute im Einzelhandel ausgebildet. In allen Filialen soll zu Beginn des neuen Ausbildungsjahrs im Sommer noch mindestens ein Azubi eingestellt werden.
Im Lager ist eine Ausbildung als Fachlagerist und Fachlageristin sowie zur Fachkraft für Lagerlogistik möglich. In der Verwaltung der Regionalgesellschaft in Kerpen werden Kaufleute für Büromanagement ausgebildet. Abiturienten können im Vertrieb und in der Logistik mit dem Abiprogramm gleich drei Abschlüsse in drei Jahren machen. Weiter Informationen zur Ausbildung gibt es auf der Internetseite jobs.lidl.de.