Gegen geplanten DrogenkonsumraumBürger gründen die Initiative „Zukunft Neumarkt“
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Drogenszene am Josef-Haubrich-Hof
Copyright: Arton Krasniqi, KSTA
Köln – Als Reaktion auf die Absicht der Stadt, am Neumarkt einen Drogenkonsumraum einzurichten, haben Anwohner, Geschäftsleute und Immobilienbesitzer eine Bürgerinitiative namens „Zukunft Neumarkt“ gegründet.
Initiatoren halten Drogenkonsumraum an geplanter Stelle für unzumutbar
Die Initiatoren fordern eine sofortige Aussetzung der Planung und die Aufnahme von Gesprächen, um ein Konzept unter Beteiligung der Anlieger zu erarbeiten. „Uns geht es nicht um Totalverhinderung, wir wissen, dass wir ein Hilfsangebot brauchen. Aber in der Größe und an dieser zentralen Stelle halten wir das für unzumutbar“, sagte Heinrich Remagen von der IG Neumarkt bei der Vorstellung der Initiative am Montag im Hotel „Altera Pars“.
Das Hotel liegt in der Thieboldsgasse, direkt gegenüber einem derzeit leerstehenden Ladenlokals. Dort, so die begründete Vermutung der Anlieger, soll der Konsumraum Ende des Jahres öffnen. Die Stadt äußert sich bislang nicht zum genauen Standort.
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„So geht man nicht mit Bürgern um.“
Sabine Münch von der Firma Worms betonte: „Wir wollen mit ins Boot geholt werden.“ Zweimal habe sie bereits an die Stadt geschrieben und eine Unterschriftenliste abgegeben – ohne Reaktion. „So geht man nicht mit Bürgern um.“ Die Bürgerinitiative kritisiert, dass die Belastung aufgrund mehrerer großer Substitutionsambulanzen mit Hunderten von Plätzen bereits jetzt groß ist.
„Wir bezweifeln, dass eine weitere Konzentration überhaupt noch beherrschbar ist“, erklärte Guido Köhler, der als Anwohner des Josef-Haubrich-Hofs täglich mit den Auswüchsen der Drogenszene konfrontiert wird. „Da müssten AWB, Ordnungsamt und Polizei schon alle paar Minuten vorbei kommen und die Stadt müsste sehr viele Sozialarbeiter hier zusammenziehen.“
Stadt solle über mobile Angebote nachdenken
Die Bürgerinitiative plädiert daher für eine Strategie der Dezentralisierung. „Wir fordern eine weiträumige Verteilung solcher Angebote und ein gesamtstädtisches Konzept“, so Remagen. Denkbar sei auch, in Neumarkt-Nähe einen kleineren Raum für den Drogenkonsum bereits zu halten und zusätzlich einen attraktiveren Aufenthaltsraum weiter weg. Auch über mobile Angebote, wie etwa in Zürich, solle die Stadt nachdenken.
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An die Argumentation der Stadtverwaltung, ein Konsumraum werde die Szene beruhigen und die Auswirkungen auf die Nachbarschaft verringern, glauben die Initiatoren nicht. Das mag an den Erfahrungen der Vergangenheit liegen. So berichtete Anwohnerin Doris Deucker von „kafkaesken Erlebnissen“, wenn sie Polizei oder Ordnungsamt angerufen habe.
„Keiner fühlte sich verantwortlich“
„Wir wurden von einem zum anderen verwiesen, keiner fühlte sich verantwortlich.“ Ihr Eindruck ist, dass die Stadt zahlreiche Aspekte bislang gar nicht berücksichtigt habe: „Der Raum soll 70 Stunden in der Woche geöffnet haben.
Aber wie steht es mit den Zeiten davor und danach? Was ist mit der Beschaffungskriminalität, unter der das Viertel leidet?“ Zahlreiche Fragen, auf die die Stadt keine Antwort gegeben habe.