Ob Stadtarchiv-Einsturz oder Jahrhunderthochwasser: Die Sturms helfen schon in der dritten Generation bei der Freiwilligen Feuerwehr. Was sie antreibt.
„Momente, die vergisst man nicht“Die Sturms sind seit drei Generationen bei der Kölner Feuerwehr

Ob Stadtarchiv-Einsturz oder Jahrhunderthochwasser: Die Sturms helfen schon in der dritten Generation bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Copyright: Arton Krasniqi
Ein riesiger Krater mitten in der Innenstadt, Schuttreste und Blaulicht überall, dazu die Ungewissheit: Wie viele Personen werden noch vermisst? Wie viele sind noch am Leben? „Erschlagend“ sei das gewesen, erzählt Matthias Sturm bei einem Treffen in der Leitstelle der Feuerwehr, als am 3. März 2009 das Historische Archiv der Stadt Köln einstürzte und zwei benachbarte Häuser mit sich riss. Matthias Sturm war damals 17 Jahre alt. Der Einsturz des Stadtarchivs war sein erster Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Als Sturm und seine Löschgruppe zur Einsturzstelle gerufen werden, waren Berufsfeuerwehr, Polizei und Rettungsdienst bereits vor Ort. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen hat Sturm die Aufgabe, nach womöglich verschütteten Personen zu suchen und das an Archivmaterialien zu retten, was noch zu retten ist. Zwei junge Männer kamen damals ums Leben. „Das sind Momente, die vergisst man nicht“, sagt er.
Auch Dachdeckerbetrieb seit Generationen in Familienhand
Dass Matthias Sturm ausgerechnet am 3. März 2009 seinen ersten Einsatz in der Freiwilligen Feuerwehr hat, mag Zufall gewesen sein. Dass er einmal der Freiwilligen Feuerwehr Worringen angehören würde, war ihm allerdings schon in die Wiege gelegt. Denn der heute 33-jährige Matthias Sturm ist Feuerwehrmann in der dritten Generation.
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Sein Vater Jakob Sturm ist vor 50 Jahren in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten, 1975 war das. „Und mein Vater wiederum ist 1945 Teil der Freiwilligen Feuerwehr Worringen geworden, direkt nach dem Krieg“, sagt Jakob Sturm. Und damit ist es noch nicht genug der Tradition bei den Sturms. Nicht nur waren oder sind alle drei Generationen Löschgruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Worringen. Auch der Dachdeckerbetrieb Jakob Sturm GmbH & Co. KG befindet sich schon lange in der Hand der Familie. Wie der Name schon andeutet, leitet Vater Jakob aktuell die Geschäfte, sein Sohn Matthias ist technischer Angestellter. „Und irgendwann wird der Betrieb dann Matthias gehören“, sagt der 65-jährige Jakob Sturm.
Dauerhaft in Alarmbereitschaft
Auch er hat von dramatischen Einsätzen zu erzählen, wenn er auf seine Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr zurückblickt. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm etwa der Einsatz beim Weihnachtshochwasser 1993, vor allem die „Nacht der Nächte“, am 27. Dezember, wie Jakob Sturm sagt. „In der Nacht gab es neben dem Hochwasser noch sechs weitere außergewöhnliche Ereignisse, bei denen die Feuerwehr gefordert war.“ Dazu gehörten etwa ein Feuer im Niehler Hafen, ein Lagerhallenbrand in Ehrenfeld, ein Feuer mit Menschenrettung in der Innenstadt und ein Dachstuhlbrand in Rath.
Jakob Sturm koordinierte damals als Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr – doch ihm und der Berufsfeuerwehr gingen angesichts der Masse an Ereignissen die Kräfte aus. „So eine Nacht hat es bei der Feuerwehr Köln noch nicht gegeben. Irgendwann mussten wir sogar Verstärkung aus Düsseldorf rufen“, erzählt er und lacht.
Neben diesen außergewöhnlichen Einsätzen ist der Alltag der Sturms geprägt vom Ton ihrer Pieper. Die beiden sind dauerhaft in Alarmbereitschaft. Sobald das Gerät anspringt und die beiden damit zu einem Einsatz gerufen werden, machen sie sich augenblicklich auf den Weg zum Gerätehaus. Die eine oder andere Familienfeier sei bereits durch solche Einsätze gesprengt worden, erzählen sie.
Der hohe Aufwand, den sie für ihr Ehrenamt betreiben, habe sie trotzdem nie zum Zweifeln gebracht. Fragt man Jakob und Matthias Sturm danach, was sie antreibt, erzählen sie von dem befriedigenden Gefühl, helfen zu können. Auch von der Faszination für die Technik der leuchtend roten Feuerwehrautos. Vor allem erzählen sie aber von der Gemeinschaft, die sie an der Freiwilligen Feuerwehr schätzen. „Die Kameradschaft, die man hier erlebt, und die über Generationen vorgelebt und weitervererbt wird, ist einzigartig. Hier findet man Freundschaften fürs Leben“, sagt Matthias Sturm.
Und auch für die Zukunft bei der Freiwilligen Feuerwehr Worringen ist gesorgt. Denn die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern: „Mein dreijähriger Sohn spielt auch schon sehr gerne mit seinen Spielzeug-Feuerwehrautos“, erzählt Matthias Sturm. Der Weg zu einem echten Feuerwehrauto dürfte bei dieser Familie nicht weit sein.