Angesichts des „schlimmsten Vorfall seit der Shoah“, wie Innenministerin Faeser den Überfall der Hamas nennt, machten sich Kölner Lokalpolitik sowie Bundespolitik für Israel stark.
Jahresempfang mit Reker und FaeserSynagogengemeinde fordert mehr Solidarität für Juden in Köln ein

Beim Jahresempfang der Kölner Synagogengemeinde kamen prominente Gäste zusammen: (V.l.nr.) Abraham Lehrer, Bettina Levy, Dr. Felix Schotland (alle vom Vorstand der Gemeinde), Innenministerin Nancy Faeser, Ulrich Soenius und Dr. Michael Rado (Vorstand).
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Es ist bald 80 Jahre her, seit aus den Trümmern des zerbombten, aber befreiten Kölns wieder das Ahawat Olam zu hören war: „die ewige Liebe“. Es ist das zweite Gebet, das während des jüdischen Abendgebetes vorgetragen wird – und war ein Zeichen, dass jüdisches Leben in Köln auch nach der Shoah gegenwärtig ist.
Die Synagogengemeinde erinnerte am Mittwoch bei ihrem Jahresempfang an diesen Moment am 29. April 1945. Zu den Gästen in der Roonstraße gehörten zahlreiche Angehörige der Stadtgesellschaft und aus der Politik.
Antisemitische Angriffe auch in Köln
Die Grußworte sprachen Bettina Levy und Felix Schotland aus dem Vorstand der Synagogengemeinde. Sie erinnerten an den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. „Wie kann es sein, dass die Geiseln noch immer in Gefangenschaft sind?“, klagte Schotland und prangerte zunehmenden Antisemitismus an. „Fast täglich gibt es Meldungen über Israel, fast nie sind sie proisraelisch.“
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Sie erinnerten daran, dass die Gemeinde jüdisches Leben nach Köln gebracht habe. „Wir haben Schulen gegründet, kulturelle Zentren geschaffen“, sagte Levy. „Das war nie selbstverständlich. Anschläge haben uns immer wieder vor Herausforderungen gestellt, aber wir sind eine starke Gemeinde und gestalten unsere Zukunft“, ergänzte Schotland.
Sie betonten die besondere Verbundenheit mit Israel. „Es ist unsere ideelle und kulturelle Heimat“, sagte Levy. Häufig werde der Anschlag vom 7. Oktober relativiert; „die Medien“, geißelte Schotland, würden nicht über antisemitische Angriffe in Deutschland berichten. Auch in Köln seien Studierende gejagt, Häuser beschmiert worden.
„Solidarität zeigt sich im Handeln. Das erfordert eine klare Haltung: Nicht nur in Berlin, sondern auch in Köln. Wir haben Ratlosigkeit und Mutlosigkeit gespürt, aber das können wir uns als Zivilgesellschaft nicht leisten. Demokratie stirbt durch leises Akzeptieren des Unakzeptablen“, sagte er. Das Leid der Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen wurde nicht erwähnt.

Historische, aber auch aktuelle Themen standen im Mittelpunkt des Empfangs.
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Bundesinnenministerin Nancy Faeser erinnerte an die 17 Jahrhunderte alte jüdische Tradition in der Stadt. „Sie ist nicht nur Kölner, sondern die Geschichte des Landes.“ Sie nannte den 7. Oktober den „schlimmsten Vorfall seit der Shoah“. Noch mehr habe sie erschreckt, dass der Aufschrei der Zivilgesellschaft weitgehend ausgeblieben sei.
„Deswegen müssen wir entsprechend handeln und hart gegen Antisemitismus vorgehen.“ Faeser nannte die Schließung des Islamischen Zentrums Hamburg und das Verbot des rechtsradikalen Compact-Magazins, die beide während ihrer Amtszeit erfolgt sind. Außerdem beteilige sich die Bundesregierung mit 42 Millionen Euro an der Umgestaltung der Synagoge an der Rohnstraße.
Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte: „Dass unsere Erinnerungskultur infrage gestellt wird, ist auch für mich persönlich bedrückend. Ich komme zwar mit leeren Händen zu Ihnen, aber in Freundschaft und mit großem Respekt.“
Es sei ein Wunder gewesen, dass die Überlebenden der Shoah nach Köln zurückgekehrt seien. „Sie bereichern unsere Stadt, die Synagogen und Begegnungszentren in Porz und Chorweiler sind Orte von Solidarität und Unterstützung“, so Reker. Über 200 Fälle habe die Fachstelle gegen Antisemitismus im EL-DE-Haus im vergangenen Jahr registriert. „Wie oft haben wir uns schon versichert, dass wir das nicht hinnehmen wollen?“