Die Radvorrangroute soll eine Strecke von insgesamt 71,5 Kilometern erhalten – mit allen Auffahrten und einer Querverbindung.
ZwischenstandPläne für Hambach Loop sorgte bei Politikern in Kerpen für Diskussion

Die Kirche in Kerpen-Manheim-Alt an der Manheimer Bucht ist einer der Punkte, an denen der Hambach Loop touristisch entwickelt werden soll.
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Wie es um den aktuellen Stand des Hambach Loops steht, das stellte Maren Zank von der Neuland Hambach GmbH in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses der Stadt Kerpen vor. Die GmbH ist damit beauftragt, den Radrundweg um den Tagebau in einer Machbarkeitsstudie zu prüfen.
Etwa 40 Kilometer soll die Radroute lang werden, hinzu kommen eine Querverbindung von etwa sieben Kilometern Länge und diverse Auffahrten, etwa von der Goldenen Aue oder auch von Elsdorf aus. Insgesamt müssen hier laut Zank 71,5 Kilometer Radweg zu installiert werden. Der Abschnitt auf dem Kerpener Stadtgebiet, der auch die Manheimer Bucht umrunden und die alte Kirche passieren soll, beträgt ihr zufolge etwa acht Kilometer.
Kerpen: 121 Abschnitte werden geprüft
Um dieser Strecke Herr zu werden, unterteilt die Neuland Hambach sie in Abschnitte, Stand jetzt 121 an der Zahl, es könne aber noch einer mehr werden, sagte Zank. Jeder Abschnitt werde dann auf eine Umsetzung geprüft. Anschließend würden die notwendigen Maßnahmen entwickelt, um den Abschnitt als Fahrradroute nutzbar zu machen.
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Dabei priorisiere die Neuland Hambach nach Kosten sowie nach Relevanz für den Ringschluss des Radrundwegs. Weiter spiele im Streckenabschnitt auf dem Gebiet der Kolpingstadt auch eine Rolle, dass hier noch lange Erdreich abgebaut werde, sagte Zank. Deshalb werde dieser Abschnitt erst relativ spät fertiggestellt.
„Es ist auf jeden Fall der Ansatz, die Bestandswege zu nutzen“, erklärte sie. Das sei oft kostenschonender und umweltfreundlicher. Der Weg solle die Qualität einer Radvorrangroute erfüllen. Diese Radwege haben einen besonderen Anspruch, Fahr- und Wartezeiten erheblich zu senken, sodass konkurrenzfähige Fahrtzeiten im Vergleich zum Auto entstehen. Radfahrer sollen hier fahren können, ohne andere zu stören oder gestört zu werden.
Barrierefreiheit kann nicht überall gewährleistet werden
Ein weiterer Punkt, den die Neuland Hambach berücksichtigt habe, sei die Barrierefreiheit. Jedoch sei es nicht auf allen Abschnitten möglich, diese vollständig einzuhalten, gibt Zank zu bedenken. Das liege hauptsächlich an der Beschaffenheit des Terrains und seiner Steigungen.
Markus Frambach (CDU) befand das Projekt und den vorgestellten Zwischenstand als positiv. „Bis wann braucht es denn entsprechende Beschlüsse zur Umsetzung?“, fragte er.
Diese Frage animierte Vertreter der Verwaltung dazu, die anwesenden Politiker zu bitten, sich bereits jetzt für die Umsetzung des Hambach Loops auszusprechen, statt die Ausführungen nur zur Kenntnis zu nehmen. Denn ein Abschnitt der Strecke soll auch durch den Hambacher Wald laufen und die dort bereits teils vorhandenen Wege beziehungsweise Straßen nutzen. Dies sei derzeit auch Diskussionsgegenstand im Arbeitskreis Hambach, der den Hambacher Forst als „Tabuzone“ für jegliche Maßnahmen ausweisen wolle.
Grüne äußern Bedenken an einem plötzlichen Beschluss
Die Grünen meldeten daraufhin Beratungsbedarf an, um sich über die Argumente, die gegen eine Nutzung der Wege im Hambacher Forst, zu informieren. Im Nachgang sagte der Fraktionsvorsitzende Peter Abels: „Wir waren überrascht, dass plötzlich schon ein Beschluss getroffen werden sollte, statt einer Kenntnisnahme.“
Die Abstimmung wurde daraufhin per Beschluss in den nicht-öffentlichen Teil verlegt. Denn die Verwaltungsvertreter zeigten sich zwar bereit, Abels die weiteren Umstände darzulegen, jedoch nicht in der Öffentlichkeit. Es gehe um Aspekte, die derzeit noch nicht öffentlich besprochen werden könnten, hieß es.
Wie Abels der Redaktion später mitteilte, habe die Verwaltung die Fraktion letztendlich zur Zustimmung überzeugt. „Man sagte uns, die angegebene Route durch den Wald sei alternativlos“, erklärt er. Mittlerweile sehe er das aber schon wieder anders: „Wie ich jetzt erfahren habe, ist dem aber doch nicht so.“ Die Fraktion wolle daher in dieser Sache entweder die Diskussion im Rat anregen oder einen entsprechenden Antrag stellen. Welche der Optionen es werde, wisse er noch nicht, sagte Abels.